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ISBN eBook: 978-3-942335-69-0

ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-942335-60-7

Bildnachweis: Archiv Kynos Verlag: 16, 26, 48, 78, 146, 149 o.li., 149 u. (2), 152 li., 163 li, 183, 203 li.; Beyersdorf, Dr. Peter: 82; Buddenbrock, Andrea Freiin von: 148 li; Fotolia: Titelbild, 14, 15, 22, 41, 52, 68, 71, 109, 113, 125, 128 re., 149 o.re., 156, 182 u., 188 (2), 190 re. Spalte (4), 191 re. Spalte (4), 197 u., 203 re.; Günter, Dr. Bernd: 143; Günther, Brita: 33, 34, 220, 224; Istockphoto: 87 o. u. Mitte, 152 re., 159 (2), 160 (2); Kostikova, Natalia: 75, 137 (2), 147; Lukaszczyk, Thorsten: 32; Mundo, Dietmar: 18; Penizek, Dorothea: 47 u., 48 li., 80 li., 87 u., 117, 118, 119, 163 re.; Shutterstock: 187; Stumpf, Dr. Petra: 100; Touret, Jean-Maurice: 24, 85; Touret, Philippe: 222 (2); Universität Kiel, Dr. Feddersen-Petersen: 18 oben (2); Winkles, Cathi: 77

Die historischen Fotos der Hunderassen aus den 1930er Jahren auf S. 63, 80, 128 li., 182 o. sowie 190/191 sind entnommen aus dem Buch »Die Hunderassen« von Aga Gräfin vom Hagen, 6. Aufl. Potsdam 1935, mit freundl. Genehmigung von Hans-Dietrich Graf vom Hagen.

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INHALTSVERZEICHNIS

Index

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Dieses Buch ist das Ergebnis eines Lebens mit und für Tiere aller Art in den letzten fünfzig Jahren, vor allem Hunden. Besonders in den letzten 25 Jahren, seit ich ehrenamtlich beim Österreichischen Kynologenverband arbeitete, war ich in dieser Hinsicht aktiv.

Dort hatte ich jede Menge Zeit, die internationalen kynologischen Magazine der Hundezuchtverbände zu lesen, für die Zeitschrift »Unsere Hunde« des ÖKV zu übersetzen und Auszüge zu verfassen. Und so bekam ich viel Einblick in die kynologische Literatur und die Verhältnisse in der Hundezucht einer Reihe anderer Länder. Doch kaum war ich dort tätig, wurden mir im gleichen Jahr, nämlich 1986, über die Hundezucht die Augen geöffnet, denn da erschien das Buch »Hundezucht in Theorie und Praxis« von Professor Dr. Walter Schleger und Dr. Irene Stur (heute Prof. Dr. Irene Sommerfeld-Stur). Ich hatte schon viele Hundezuchtbücher gelesen, doch hier erfuhr ich erstmals auch über bedrohliche Erscheinungen in der Hundezucht. Ich erfuhr, welche populationsgenetischen Probleme das herkömmliche Zuchtsystem vor allem bei den für die Schau gezüchteten Rassehunden verursacht. Dies veranlasste mich, mich nun ganz speziell mit der Genetik der Hundezucht zu befassen und ich begann, darüber selbst Artikel zu schreiben und Vorträge auf Seminaren und Kongressen zu halten. Die Genetik interessierte mich ohnehin sehr, da ich ja Landwirtschaft und Tierzucht studiert hatte. Die Hundebücher von Konrad Lorenz und Eberhard Trumler begeisterten mich besonders.

Hunde sind unsere liebsten Haustiere, denen wir auch ungeheuer viel zu verdanken haben. Doch ausgerechnet dort, wo sie speziell als geliebte Gesellschaftshunde für uns gezüchtet werden sollen, fügen wir ihnen viel Schlimmes zu. Vor allem die Schaurassehunde erleiden heute einen unglaublichen Niedergang. Meine Befassung mit diesem katastrophalen Problem soll nun auch mit diesem Buch ihren Ausdruck finden, wofür ich dem Kynos Verlag dankbar bin.

Die Schauhundezucht erfolgt heute nach einem System, mit dem auf Dauer einfach keine gesunden Tiere gezüchtet werden können. Daher zeigt sie auch gefährliche Verfallserscheinungen, deren Ursachen ich hier nachzugehen versuche. Eine Sanierung ist notwendig im Interesse aller, die mit Hunden zu tun haben und sie lieben. Ob sie überhaupt noch möglich ist, ist offen. Ich versuche daher, hiermit nach meinen Möglichkeiten einen Beitrag zu leisten, der zum Nachdenken und hoffentlich zu einer Besserung beitragen könnte.

Ich darf jedoch nicht versäumen, hier jene verdienten Wissenschaftler zu erwähnen, die sich seit vielen Jahren unbeirrt für die Populationsgenetik zum Wohl der Hundezucht eingesetzt haben. Ich habe das Glück gehabt, sie - außer den viel zu früh verstorbenen Dr. Armstrong - bei meiner Arbeit kennen zu lernen. Fast alle sind leider nun schon verstorben. Es waren dies Prof. Dr. Walter Schleger, Institut für Genetik, Veterinärmedizinische Universität Wien, Professor Dr. Per-Erik Sundgren, Universität Uppsala, Schweden, und Dr. John Armstrong, Universität Ottawa, Kanada. Immer noch aktiv ist hingegen Prof. Dr. Irene Sommerfeld-Stur, Institut für Genetik, Veterinärmedizinische Universität Wien. Schleger und Sommerfeld-Stur haben das erste populäre Hundezuchtbuch geschrieben, worin eingehend auf die Bedeutung der Populationsgenetik als Voraussetzung für die Zucht gesunder Hunde eingegangen wurde, und auf das ich noch zurückkomme. Die Arbeit all dieser Wissenschaftler gibt uns heute die Chance, das Schicksal des Schaurassehundes, bei dem ja gottlob viele Rassen noch in guter Verfassung befinden, zum Guten zu wenden. Eine Chance, die wir vor allem ihnen und ganz bespomders auch all jenen verdienten Züchtern zu verdanken haben, die auf sie gehört haben, und denen ihre Rasse und deren genetische Intaktheit wichtiger blieb, als modische Extravaganzen zu Lasten ihrer Gesundheit und genetische Gefährdung. Ihnen habe ich es schließlich auch zu verdanken, dass es zu diesem Buch kommen konnte. Aber auch die vielen Züchter müssen hier genannt werden, die durch Beachtung der populationsgenetischen Regeln geholfen haben, dass trotz der ungünstigen Tendenzen vielfach noch gesunde Rassepopulationen erhalten bleiben konnten. Oder durch Kreuzungsversuche oder Selektion sich bemühten, dem Niedergang ihrer Rasse beziehungseise der Qualzucht entgegenzuwirken.

In Teil I werde ich mich mit der kynologisch-zoologischen Evolution des Rassehundes vom Wolf und derzeitigen Gegebenheiten beschäftigen. Der Haushund existiert ja, wie wir heute wissen, als zwei sehr verschiedene Tierformen, wie Nobelpreisträger Konrad Lorenz als Erster entdeckte, aber damals noch nicht richtig interpretieren konnte. Das war erst im letzten Jahrzehnt in sehr überraschenderweise dank modernster Molekulargenetik möglich geworden.

Teil II gilt dagegen der ungeheuer schwierigen Situation unseres uns nächststehenden Haustieres als Schaurassehund, nur zu hoffen ist, dass die Menschheit noch die Einfühlungskraft und das Verständnis aufbringen wird, das Schicksal des Schaurassehundes wieder zurück in richtige Bahnen zu lenken.

Teil III schließlich versucht, Vorschläge für eine Lösung der Probleme und die Sanierung der Schaurassehundzucht zu erarbeiten.

Wien, im Januar 2012
Dr. Hellmuth Wachtel

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Altertum

Kynologie heißt auf Deutsch Hundekunde, Wissenschaft vom Hunde - eine neuzeitliche Wortschöpfung, abgeleitet von kuών (kyon, altgr. für Hund). Bei den alten Griechen gab es den Ausdruck Kynegesie, Hundeführung, denn Kynegétes, Hundeführer, bedeutete Jäger. Bis ins 19. Jahrhundert war der Ausdruck »Kynosophie« gebräuchlich mit derselben Bedeutung, allerdings damals tierarzneilastig. Die Lehrbücher heißen Kynosóphia und Kynegetiká. Auch die Bezeichnung Kynographie (Hundebeschreibung) hatte eine gewisse Bedeutung.

Im populären Gebrauch ist oft aber auch für Hundezüchter die Bezeichnung Kynologen gebräuchlich, gemeint ist hier mit Kynologie die Befassung mit dem Hund, das, was im Französischen als »Cynophilie« bezeichnet wird.

Die ältesten Kynologen waren wohl die Ägypter. Bei ihnen gab es schon eine Anzahl von deutlich unterscheidbaren Hunderassen: zunächst der Tesem, ein stehohriger und ringelschwänziger Windhund, dann kamen hängeohrige Windhunde, Urbracken, pariaartige Hunde und auch schon Zwerghunde.

Frühe Abhandlungen über Hunde sind uns von den Persern (Zarathustra), Griechen und Römern bekannt. Im heiligen Buch der altpersischen Religion, dem Zendavesta, befassen sich zwei Kapitel mit der Haltung und Erziehung des Hundes, acht Gattungen von Hunden werden beschrieben. Im Vendidad, seinem ältesten Teil und einem der ersten Bücher der Menschheit steht: »Durch den Verstand des Hundes besteht die Welt.« Nach heutigen Kenntnissen könnte der entscheidende Aufstieg des Menschen vom Nomaden zum sesshaften Siedler tatsächlich der Verwendung des Hundes als notwendigen Wächter für Niederlassungen, Eigentum und Nutzvieh zu verdanken sein.

Xenophon schrieb die älteste Abhandlung über das Jagdwesen (Kynegetikos) und erwähnte darin zwei Rassen, die Ausbildung, Fährtenarbeit usw. Aristoteles spricht dagegen von sieben verschiedenen Rassen, darunter sind aber wohl eher Schläge zu verstehen. Arrianus hat fünfhundert Jahre nach Xenophon mit seinem Cynegeticus, im Anklang an diesen, ein bedeutendes kynologisches Werk geschaffen, das, wie das von Xenophon, auch für uns heute immer noch interessant ist.

Vom Mittelalter bis zur Neuzeit

Im alemannischen, burgundischen und bojischen Gesetz werden jeweils einige Rassen erwähnt, darunter vor allem Bracken, Leithunde, Hirtenhunde, Hofhunde, Windhunde und Doggen, auch Habichthunde (offenbar eine spanielartige Rasse). Aus verschiedenen Quellen kommt man auf 14 Rassen. Hütehunde gab es anscheinend noch nicht.

Der französische Graf Gaston de Foix, der sich Phoebus nannte, schrieb ein umfangreiches Werk über Jagdhunde, das Livre de la Chasse, worin besonders auf deren Pflege und Gebrauch eingegangen wird, die offenbar schon hoch entwickelt waren. Darin werden auch die enormen Ansprüche beschrieben, die an die damaligen Jagdhunde gestellt wurden, etwa, nur einen ganz bestimmten Rothirsch aufzuspüren und zu erlegen. Er beschreibt einen Musterzwinger, der für große Meuten etwa zwanzig Meter lang und zehn breit sein musste, mit einer sonnigen Wiese. Das Tor stand tagsüber offen, sodass die Hunde dort nach Belieben laufen und spielen konnten. Ein Jagdbursch musste Tag und Nacht bei ihnen sein, um sie von Raufereien abzuhalten. An einem Kamin konnten sie sich trocknen, wenn sie nass von der Jagd zurückkehrten.

In England schrieb John Cray (Johannes Caius) das Buch »De Canibus Britannicis« über alle damaligen britischen Hunderassen für den Polyhistor Conrad Gesner, das dieser in seinem »Thierbuch« 1670 (Historia animalium) verarbeitete. Er führt auch 14 Rassen auf, darunter auch einen »Turnspit« (Bratenspießdreher).

Neuzeit

Die neuzeitliche Kynologie begann im 18. Jahrhundert mit Linné, der den Hund als eigene Art Canis familiaris (»der uns vertraute Hund«) vorstellte. Heute allerdings werden Haustiere mit dem Namen der Stammart bezeichnet, der Hund also unter dem des Wolfes Canis lupus mit dem Zusatz »familiaris«. Linné gehörte zu den wenigen Gelehrten der frühen Neuzeit, der alle Hunderassen als zu einer einzigen Art gehörig auffasste. Als das wesentliche Kennzeichen des Haushundes betrachtete er die aufrecht und nach links getragene Rute, tatsächlich wohl das typischeste und älteste Domestikationsmerkmal beim Hund.

Reichenbach hielt in seinem Werk »Der Hund in seinen Haupt- und Nebenracen« einen »Urhund« für die Stammform und die Rassen seien als selbstständige Arten aufzufassen. Nicht wenige weitere Forscher führten den Hund auf einen Urhund zurück: Blainville, Bougignac, Oictet, Studer und Woldrich sowie in unserem Jahrhundert Otto Koenig. Fitzinger (Der Hund und seine Racen, 1876) meinte, der Haushund bestünde aus sieben verschiedenen Arten, nämlich Haushund, Seidenhund, Dachshund, Jagdhund, Bullenbeißer, Windhund und Nackthund. Er meinte, die Abstammung des Haushundes wäre wohl nie festzustellen.

Öfters wurden mehrere Kaniden (hundeartige Raubtiere) als Stammeltern betrachtet, auch der Fuchs, der sich jedoch trotz alter Berichte darüber mit dem Haushund nicht kreuzen lässt. Die Unmöglichkeit der Abstammung vom Fuchs hat zuerst Hilzheimer auf Grund anatomischer Unterschiede erklärt. Heute ist dies auch molekulargenetisch bestätigt. Weitere Forscher haben auch den Äthiopischen Wolf, Canis simensis, als Kandidaten für die Herleitung des Haushundes genannt. Später wurde dieser eigenartige Kanide fälschlich für einen Schakal gehalten, bis vor wenigen Jahren DNS-Untersuchungen zeigten, dass es sich um einen Wolf handelt, den ersten, der in Afrika als solcher erkannt wurde. Er lebt noch immer in Rudeln, obwohl er einzeln auf kleine Nager Jagd macht. Seine südliche Herkunft und die rötliche Farbe im Gegensatz zum Grau der eigentlichen Wölfe hat diese Frage vereinzelt (Lehr Brisbin) neu belebt, da alle südlichen Primitivhunde vorwiegend ein gelbliches oder rötlich-falbes Haarkleid aufweisen. Er paart sich auch in der Natur mit Haushunden und ist auch deswegen in seinem Fortbestehen bedroht.

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Die russischen Forscher Güldenstedt und Pallas hielten um 1800 auf Grund ihrer Forschungen den Schakal für den Stammvater des Hundes, über den Güldenstedt eine Monographie schrieb. Auch Konrad Lorenz hielt den Goldschakal noch für den Stammvater fast aller Hunderassen, lediglich nordische Rassen sollten demnach vom Wolf abstammen. Doch dies hat er unter dem Eindruck der Forschungen von Herre, Feddersen-Petersen und Zimen an der Universität Kiel widerrufen.

Recht umfassend resümiert Alfred Brehm in seinem »Thierleben« das damalige kynologische Wissen, das in weiten Bereichen noch aus Vermutungen bestand. Sehr eingehend werden Urhunde, also Hunde der indigenen Völker beschrieben, die heute vielfach schon verschwunden bzw. mit europäischen Rassen verkreuzt sind. Ausführlich beschreibt er auch aus eigener Anschauung die damaligen ägyptischen Pariahunde und deren Verhalten. Unter »Gelehrigkeit« erwähnt Fitzinger eigentlich nur die Jagd und Kunststücke sowie Rettung aus Schnee und Wasser, Stierkämpfe (Spanien, Südamerika), Hüten und Bewachen. Bestraft werden sollte nur mit weicher Gerte und immer rechtzeitig. »Überhaupt gehorcht der Hund nur dann, wenn ihm ernst entgegengetreten wird. Mit Güte allein richtet man nichts aus«, meint er. Hilzheimer erforschte die Stammesgeschichte des Hundes auf Grund des archäologischen Materials und der Arbeiten des Schweizers Tschudy. Weitere wichtige Forscher, die sich mit der Abstammung des Hundes und insbesondere den archäologischen Funden beschäftigten, waren die Schweizer Studer, Rütimeyer, Siber und die Russen Anutschin, Inostranzew und Putiatin. Sie leiteten unsere heutigen Hunderassen von bestimmten Typen von Hunden aus der Frühzeit ab, die sie zu Unterarten des Hundes erhoben. Diese Formen sind Canis familiaris poutiatini (dingoartiger Urzeithund – die Urform der übrigen), der kleine Torfhund aus den Pfahlbauten Canis familiaris palustris Rütimeyer als Stammform von Spitzen, Pinschern, Terriern und Verwandten, Canis familiaris Inostranzewi (Nordische Hunde, Deutscher Schäferhund, Mastiff ), der Aschenhund C.f. intermedius Woldrich (Jagdhunde), der Bronzehund C.f. matris optimae Jeitteles (Schäferhunde), C.f. Leineri (Windhunde). C. f. Spalletti Strobel.

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Diese Theorien sind heute überholt, da die innerartliche Variation der Haushunde sehr groß ist und analoge Formen sich in den verschiedensten Populationen gebildet haben dürften. Allerdings könnte die Molekularbiologie hier noch unerwartete Aufschlüsse über die durch den Menschen in den verschiedenen Zeitperioden bewirkte Verbreitung unterschiedlicher Formen bringen. Einige sehr wichtige und interessante Erkenntnisse sollen im Späteren angegeben werden.

Hilzheimer studierte auch die alten Hunde der Inkas, die offenbar selbstständig Analogien zu eurasischen Hundetypen entwickelt haben, wie die sogenannte Chincha-Bulldogge. Bedeutende deutsche kynologische Forscher dieser Epoche waren auch Strebel und Beckmann.

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Das 20. Jahrhundert

Mit der Wende zum 20. Jahrhundert entwickelten sich neue Disziplinen, die die Kynologie stark beeinflussten und vorantrieben. Die Stellung des Hundes in der Evolution und die Erblehre wurden von den Arbeiten Darwins und Mendels in wesentlichen Zügen aufgeklärt. Später kam die Verhaltenskunde (heute: Kognitionslehre) dazu. Auch die angeborenen Verhaltensformen des Hundes wurden nun interessant. Schenkel und Lorenz studierten die Ausdrucksformen von Hund und Wolf. Diese Studien wurden von der Kieler Schule (Herre, Röhrs, Feddersen-Petersen, Zimen) fortgesetzt und weiterentwickelt, wobei auch einige Vorstellungen von Konrad Lorenz widerlegt wurden, so die Domestikation des Wolfes als »Jagdkum- pan«, die Halsabwendung des bei Konfrontation Unterlegenen zur Auslösung der Beißhemmung beim Überlegenen – tatsächlich gibt es eine solche Abwendung auch im Verhalten des dominanten Hundes. Die Gehegehaltung hat jedoch teilweise auch zu irrigen Schlüssen geführt.

Eine Grundlage der Kieler Arbeiten war die Kanidenhaltung im sogenannten Haustier- garten des Instituts für Haustierforschung. Die Pudelzucht von Professor Herre (Klein- und Großpudel) ermöglichte die Kreuzungszucht von Goldschakal, Kojote und Wolf mit in der Größe entsprechenden Hunden als Paarungspartnern. Bahnbrechend waren die Verhaltensstudien von Feddersen-Petersen und Zimen. Erstere wies u.a. nach, dass Goldschakale ein von Hund und Wolf deutlich abweichendes Ausdrucksverhalten zeigen, letzterer studierte und verglich das Verhaltensinventar von Wolf und Großpudel, Studien, die zu der im Wesentlichen für alle Hunde geltenden Erkenntnis führten, dass Hunde ein dem Wolf weitgehend analoges Verhaltensinventar aufweisen, das jedoch gegenüber der Wildform reduziert, vielfach abgeschwächt und teilweise verändert ist. Bedeutsam ist hierbei ganz besonders die Beobachtung, dass Pudel eine stabilere Rangordnung aufweisen als Wölfe. Dies war wohl die wesentlichste domestikative Verhaltensänderung des Hundes, die erst eine sichere Hundehaltung ermöglichte und die Grundlage für die Zuverlässigkeit des Hundes als Kumpan des Menschen ausmachen dürfte. Die Studien über das Verhalten und die Entwicklung des Hundes werden weiter intensiv fortgeführt und sind unter den neuen Gegebenheiten der Hundehaltung, so insbesondere die Einschränkungen im Hinblick auf die Eindämmung des Aggressionsrisikos, von großer aktueller Wichtigkeit.

Trumler hat mit seinen Einzelbeobachtungen an Primitivhunden wie Parias, Dingos, Polarhunden und anderen sowie zahlreichen Züchtungen viele Beiträge zur Kenntnis des ursprünglichen Verhaltens des Haushundes geliefert. In der heutigen Eberhard-Trumler-Station in Wolfswinkel wurden oder werden vorderasiatische Parias im Rudel gehalten, sowie sogenannte »Wildhunde«, das Kreuzungsergebnis aus der Paarung von oben erwähnten Urhundarten mit Wolf und Goldschakal. Die Lebensfähigkeit dieses Kreuzungsstammes ist auch wegen der Einkreuzung des Goldschakals besonders interessant, zeigt es doch, dass das Einfließen von Schakalgenen in Hundepopulationen derzeit nicht völlig auszuschließen, wenn auch höchst unwahrscheinlich ist. Trumler ist mit vielen populären und erfolgreichen Büchern über den Hund hervorgetreten.

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Die Fähigkeiten des Hundes im Gebrauch als Schutz- und Fährtenhund und seine Ausbildung wurden früh durch viele grundlegende Arbeiten erforscht, wobei hier nur Konrad Most und das Ehepaar Menzel genannt seien. Die Riechfähigkeit des Hundes, deren Verwertung vielleicht die wertvollste Errungenschaft des Menschen darstellt, und ihre Anwendungsmöglichkeiten sind aber auch heute noch lange nicht völlig erforscht. Die geistigen Fähigkeiten des Hundes wurden vor allem von Sarris in den Zwanzigerjahren sowie Scott und Fuller 1960 studiert, letztere untersuchten die Ausbildbarkeit und die Problemlösungsfähigkeit (Sarris, E.G., 1931). Auf diesem Gebiet hat auch Stanley Coren mit seiner Erhebung über die Ausbildbarkeit der Hunderassen einen wertvollen praktischen Beitrag geleistet. Unter den weiteren sehr bedeutenden Kynologen dieser Periode seien Emil Hauck, Hans Räber, Albert Heim und Otto Antonius genannt. Einen großen Aufschwung nahm die vorwiegend empirische Populärkynologie, d.h. die nur teilweise oder nicht wissenschaftlich untermauerten Wissensbereiche Rassenkunde, Ausstellungswesen und Bewegungslehre. Auch die wissenschaftliche Untermauerung des Gebrauchshundewesens ist eher kümmerlich zu nennen, doch schreitet sie rasch voran. Ganz im Argen liegt es in der Hundezüchtung, in der es so zu vielfältigen Fehlentwicklungen wie Erbkrankheiten, »Verwechslung« von modischen Exterieurmerkmalen mit Merkmalen der Leistungsfähigkeit, »Qualzucht« und so weiter kommt, wobei allerdings eine chronische Missachtung der wichtigsten Grundregeln der Tierzucht leider eine häufige Ursache darstellt. Von der Hundezuchtliteratur sei hier nur »Genetics of the Dog« von Malcolm B. Willis,1992, erwähnt, das umfangreichste und meist zitierte Werk auf diesem Gebiet, jedoch bisher ohne Neuauflage. Allerdings scheint darin ein wesentlicher Zweig der Genetik, die Populationsgenetik nur vollkommen unzureichend auf. Dasselbe gilt für die gesamte Hundezuchtliteratur bis in die Achtzigerjahre und länger. Erst das Werk von Schleger und Stur, »Hundezüchtung in Theorie und Praxis«, 1986, listet die wesentlichen Fehlentwicklungen der modernen Hundezucht auf, die unbeschränkte Deckverwendung populärer Rüden und die übersteigerte Linien- und Inzestzucht. Die Folgen davon auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Rassehunde sind aber quantitativ und z.T. auch qualitativ noch wesentlich schwerwiegender als die eigentliche »Qualzucht« (Übersteigerung typischer Merkmale, die zu Leiden und Schmerzen führen), da sie praktisch alle Rassen betrifft (Erbdefekte und -krankheiten sowie Inzuchtdepression). Wissenschaftliche Hundezuchtstudien gibt es praktisch nur auf dem Gebiet der Laborhundezucht (rühmliche Ausnahme: die jahrzehntelangen Versuche von Scott und Fuller, 1965, mit fünf Rassen, die leider keine Nachfolger gefunden haben, aber immer noch in vielem aktuell sind).

Die Situation an der Wende zum zweiten Jahrtausend

Ungeahnte Möglichkeiten ergeben sich heute aus der Erforschung des Erbgutes der Hunde und ihrer Rassen. Eine spektakuläre Studie aus 1997 von Vilá et al., publiziert in der renommierten Wissenschaftszeitschrift »Science«, scheint unsere bisherigen Vorstellungen über den Zeitpunkt der ersten Domestikation über den Haufen zu werfen. Während ein sehr altes, ziemlich eindeutiges Fundstück von einem Hund ein ca. 14.000 Jahre altes Kieferteil aus Oberkassel darstellt und weniger sichere alte Funde bis etwa 20.000 und sogar 31.700 Jahre zurückreichen (siehe S. 21), haben die erwähnten mtDNS-Untersuchungen auf ein Alter des vom Wolf unterscheidbaren Hundeerbgutes von 35.000 – 135.000 Jahren hingewiesen, heute wird nach weiteren Befunden meist von ca. 100.000 Jahren gesprochen. Sollte das nicht doch noch widerlegt werden, könnte die Erklärung in der losen Vergesellschaftung einer sehr kleinen Wolfvarietät mit frühen Steinzeitjägern liegen, die sich auf die reichen Futterquellen stützten, die in den Jagdcamps verfügbar waren. Doch inzwischen sind auch Ost- und Westasien aufgrund von weiteren archäologischen und molekulargenetischen Hinweisen als Regionen genannt, wo die Domestikation des Hundes frühestens erst vor etwa 16.000 Jahren erfolgte (siehe S. 21). Zu erwarten und zu einem Teil schon greifbar sind heute die molekulargenetische Zuordnung zu einer Rasse oder die Ermittlung der Rassen der Eltern eines Mischlings, sowie weitere Enthüllungen bezüglich der Abstammung oder der Herkunft bestimmter Rassen. Heute schon hat jedoch die Molekulargenetik eine wichtige Funktion in der Erkennung von Defektgenträgern in den vielen Rassen des Hundes. Fragliche »Errungenschaften« der Zukunft könnte die Produktion von Klonen sein, an der bereits gearbeitet wird, die Erzeugung transgener Hunde und Rassen mit Erbgut von anderen Arten (Chimären- züchtung), sowie die molekulargenetische Ausschaltung unbeliebter Eigenschaften, wie Bellen, Markieren, Graben, etc. Leider sind diese Möglichkeiten nicht mehr ins Reich der Science Fiction zu verweisen. Allerdings könnten eventuell durch solche Methoden auch nützliche Zuchtziele rasch und erfolgreich verwirklicht werden. Ein ebenfalls neuer, wichtiger Zweig der Kynologie, oder besser gesagt, der Kognition, ist die Erforschung der Mensch-Hund-Beziehung. Wichtige Erkenntnisse über den Nutzen, wie auch mögliche negative Effekte des Zusammenlebens von Mensch und Hund wurden so gewonnen, der Wert des Hundes als »Hilfstherapeut« bei Krankheit und seelischem Leid ist heute unbestritten und vielfach belegt, wie auch in der Praxis verwertet. Andererseits ist gegen die moderne Bedrohung der Hundehaltung, z.B. durch steigende Intoleranz und Risikofurcht sowie die immer unnatürlicheren Haltungs- und Umweltbedingungen, anscheinend noch kein richtiges Kraut gewachsen. Neu aufgenommen ist nun auch die jahrzehntelang stark vernachlässigte Erforschung der Kognition, d.h. der Denk- und Vorstellungsfähigkeit und des Bewusstseins des Hundes, ein Forschungszweig, dem allerdings erst heute das nötige Instrumentarium zur Erforschung dieser komplexen Anlagen zur Verfügung steht. Solche Forschungen wurden bislang vor allem in Ungarn (z.B. von Topál, Miklosi und Csányi), Deutschland** und Österreich (Kotrschal, Range,Vilyanyi) durchgeführt. Abschließend sei betont, dass wir faszinierende Erkenntnisse über den Hund in den kommenden Jahren erwarten können, aber auch Lösungsansätze für die neuen brennenden Probleme der Symbiose Mensch-Hund erhoffen müssen. Ungeachtet der bemerkenswerten wissenschaftlichen Fortschritte hat der Niedergang der Schauhunderassen einen geradezu schreckenerregenden Umfang angenommen, viele Rassen leiden immer mehr an Qualzucht und Erbkrankheiten, so dass derzeit eine niederländische Tierschutzorganisation (Dier&Recht) eine Petition an die Behörden plant, damit diese schwer kranke Hunderassen verbieten. Nicht wenige Rassen haben heute eine verkürzte Lebensdauer. In einem amerikanischen Genetikforum hat eine russischstämmige Teilnehmerin über die Situation der Hunde in Russland gesprochen, als sie noch ein Kind war. Alle ihr bekannten Hunde lebten dort 10 -14 Jahre, kleine bis 20.

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Die Herkunft des Hundes

Die Molekulargenetik hat es in der letzten Zeit ermöglicht, die Frage nach der Herkunft des Haushundes weitgehend zu klären. Heute besteht daher kein Zweifel mehr, dass der Wolf der Stammvater ist, womit es also dem Menschen gelungen ist, aus einem relativ großen und gefährlichen Raubtier ein besonders nützliches, mit keinem anderen vergleichbares Haustier zu machen. Oder vielleicht ist das auch umgekehrt zu sehen, es ist einem solchen Raubtier gelungen, zum Hausgenossen des Menschen zu werden, ja möglicherweise den Menschen zu »domestizieren«.

Der Wolf war einmal nach dem Menschen das am weitesten verbreite Säugetier der Erde, er bewohnte fast die ganze nördliche Halbkugel, bis er vom Menschen immer stärker dezimiert und in vielen Regionen ausgerottet wurde. Aus dem Vorhergehenden ist sogar zu schließen, dass der domestizierte Wolf dem Menschen wesentlich zu seiner Vorherrschaft verholfen hat!

Der Wolf konnte sich von ariden subtropischen Regionen bis zur Arktis überall anpassen. Ihr Leben bringen die meisten Wölfe in Gemeinschaften mit ihresgleichen zu. Diese Anpassungsfähigkeit hatte der Wolf seinen vielseitigen geistigen wie körperlichen Befähigungen zu verdanken, die es ihm erlaubten, selbst sehr große Herbivoren (Pflanzenfresser) als Beuteobjekte zu nutzen. Außerdem haben sie ja eine dem Menschen ähnliche Sozialstruktur mit viel Gemeinschaft, Zusammenarbeit und großer Anpassungsfähigkeit.

Wölfe lebten, bevor sie regional stark dezimiert und teilweise schon ausgerottet wurden, fast auf der gesamten Nordhalbkugel. Heute gibt es von ihnen vermutlich nur noch etwa 50.000 in Nordamerika, Asien und in Europa, an Hunden leben aber heute etwa 500 Millionen oder mehr auf der ganzen Welt mit geringen Ausnahmen überall dort, wo es auch Menschen gibt, von der Polarregion über Wüstengebiete bis zum tropischen Regenwald. So gesehen war der Wolf, als er sich mit dem Menschen als Haustier zusammentat und zum Hund wurde, viel erfolgreicher als die wilde Stammform. Aber es gab (und gibt?) eine wechselweise Beeinflussung: Durch Einkreuzung von Hunden leben heute in Nordamerika und Italien schwarze Wölfe und sogar Kojoten, die das schwarze Hundefarbengen K tragen. Diese schwarzen Wölfe haben sich in amerikanischen Waldgebieten sogar bevorzugt vermehrt, sie hatten dort vermutlich einen Wettbewerbsvorteil. Nach der oben erwähnten ersten molekulargenetischen Studie gäbe es den Hund (oder eine wolfsartige Kanidenform, einen »Proto-Hund«, aus der der domestizierte Haushund hervorging) sogar seit 100.000 Jahren. Doch dem steht entgegen, dass es dafür keine paläontologischen Beweise gibt. An Skeletten ist die (vermutliche) Herkunft von einem Hundefund aus der Steinzeit unter anderem am Kopf zu erkennen, denn Hunde werden in fossilen Skelettfunden an einigen Merkmalen, wie ihren im Vergleich zum Wolf relativ kürzeren Schnauzen, kleineren Köpfen und kleineren, manchmal aus Raummangel im verkürzten Kiefer kulissenständigen Zähnen festgestellt. Das dürfte darauf hindeuten, dass solche Tiere seit längerem nicht oder nicht mehr vorwiegend von der Jagd auf größere Huftiere lebten. Das schließt jedoch nicht aus, dass, wie vermutet wird, Hunde sich in der Steinzeit zu einem wesentlichen Teil von den Jagdwildabfällen der Steinzeitmenschen ernährten. Wölfe wurden zum Hund domestiziert und dieser ist weiterhin ein grundsätzlich vielseitig begabtes und außerordentlich leistungsfähiges Tier geblieben. Wir wissen aber immer noch nicht eindeutig, wie lange die Hunde mit uns auf dieser Erde leben. Wie erwähnt gibt es altsteinzeitliche Funde, die anscheinend bereits eine anatomische Auswirkung der Domestikation zeigen, was auf einen Hund hinweist. Der heute älteste Fund aus der Höhle Gouet (Germonpré, M., 2009) in Belgien ist immerhin 31.700 Jahre alt, ob das ein Hund war, darüber besteht aber keine völlige Einigkeit. Denn die Anzeichen dafür (kleinere Zähne, kürzere Schnauze u.a.) kommen gelegentlich auch bei Wölfen vor, wie Peter Savolainen meint, der den Ursprung des Hundes nach seiner Forschung als vor ca. 16.000 Jahren in China angibt. Wenn Wölfe nicht mehr selbst große Huftiere erbeuten müssen, dürften die Zähne kleiner und die Schnauzen kürzer werden. Andererseits hat aber, wie erwähnt, die erste molekulargenetische Studie (Vilá R., et al., 1999) eine Abweichung des Hundegenoms vom Wolf vor bereits 60.000–100.000 Jahren angezeigt. Der Hund ist auf jeden Fall das früheste Haustier gewesen. Kaniden, die Vorfahren des Haushundes gewesen sind, könnten schon viel früher vorhanden gewesen sein, ohne dass sie aber bereits eigentliche Haushunde waren. Sie konnten vermutlich erst entstanden sein, als die Menschen vermochten, vom Normadenleben zur Sesshaftigkeit überzugehen, vielleicht eben erst mit Hilfe der Wachsamkeit und Schutzbereitschaft des »Proto-Hundes«. Hier sind wohl in Zukunft noch viele wissenschaftliche Erkenntnisse zu erwarten. Dennoch sind fossile große Kanidenköpfe mit solchen Merkmalen immer noch ein möglicher Hinweis auf sehr frühe Hunde. Damit hat der belgische Hund bei der Suche nach dem Ursprung des Hundes auch heute vermutlich eine Bedeutung. Einige belgische Funde wurden auf ihre DNS untersucht und erwiesen sich als genetisch sehr vielfältig. Diese belgischen »Wolfshunde« zeigten, dass die Tiere sich vor allem von Pferden und vielleicht auch Rindern (vermutlich Auerochsen und Wisenten) ernährten, wobei offen ist, ob das menschliche oder eigene Beute, oder beides war. Es waren übrigens große Hunde, huskyähnlich, aber größer. Nun wurden sogar Hundeköpfe gefunden, die Mammutknochen im Maul hatten, was wohl Menschen getan hatten, die auch die Schädel aufbohrten, vielleicht um der Seele einen Ausgang zu verschaffen, also eine Ritualhandlung, und möglicherweise der Hinweis auf eine innerartliche Beziehung? Die damaligen Wölfe von dieser Fundstelle wiesen übrigens wesentlich mehr genetische Vielfalt als heutige Wölfe auf. Durch ihre Gemeinschaft mit dem Menschen haben also die Wölfe als Haustierform das Verbreitungsgebiet des Wolfes auf den gesamten Globus einschließlich der Tropenzonen erweitern können. Dingos, vor etwa 5.000 Jahren in Australien verwilderte Haushunde, wurden sogar zum Spitzenraubtier eines ganzen Kontinents, ebenso die Neuguinea-Dingos auf ihrer großen tropischen Insel. Wie erwähnt, Wolfsnachfahre Hund kann also auch als dessen noch weit erfolgreicherer Abkömmling durch seine erfolgreiche Vergesellschaftung mit dem Menschen und dessen Nutzung betrachtet werden. Eine Ausbeutung als Fleischtier wie andere Haustiere ist dagegen ja nur teil- und regionenweise erfolgt.

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Savolainen hat auch die Region genannt, wo nach ihm die erste Domestikation stattgefunden hätte. Das wäre demnach Südchina gewesen. Diese relativ genaue Angabe begründete er damit, dass in dieser Region die meisten Funde von Hunden mit unterschiedlicher genetischer Zusammensetzung ihrer Mitochondrien gefunden wurden. Wenn Südchina der Ursprungsort für den Hund gewesen ist, sind dort wahrscheinlich die meisten genetischen Formen zu erwarten, von denen nur ein Teil fortgewandert sein dürfte. Daher, je weiter entfernt, desto weniger verschiedene genetische Formen sollten zu finden sein, da ja wohl nicht alle zusammen fortwanderten. Dem Ursprungsort China wurde jedoch in einer späteren Studie (Boiko et al.) widersprochen, wo nach Untersuchungen in Afrika ebenso viele genetisch verschiedene Hunde gefunden wurden. Doch Savolainen wieder konnte in einer weiteren Arbeit nachweisen, dass in China doch bei Hunden noch wesentlich mehr genetische Verschiedenheit vorhanden ist. Afrika kommt auch als Ort der Domestikation kaum infrage, wohl aber Südwestasien.

Aber der Widerstreit ist alles andere als beendet, denn nun liegt eine weitere Arbeit vor, die der Frage nicht aufgrund von Chromosomen, sondern von SNPS (»snips«) und Haplotypen nachgeht. Bridgett M. von Holdt et al., 2010, fanden in außereuropäischen Hunderassen große Unterschiede gegenüber den europäischen Hunderassen (doch dazu später mehr). Der Ursprung des Hundes liegt aber demnach im Mittleren Osten, wo ja auch die wichtigsten landwirtschaftlichen Haustiere domestiziert wurden und der Anbau der ersten Nutzpflanzen begann. Diese Arbeit enthält einige Details, die zu interessanten Vermutungen führen, da demnach die Hundeentstehung zur selben Zeit erfolgte, als der Übergang der Lebensweise des Menschen von der nomadischen Jäger- und Sammlerkultur zur sesshaften Lebensweise der Bauern und Viehzüchter vor sich ging. Nach wie vor sind jetzt zwei Regionen im Wettstreit der molekulargenetischen Erforschung, wo der Ursprung des Haushundes liegt. Südwestasien weist zahlreiche frühe Funde auf und war schon lange als Herkunftsregion des Hundes vermutet worden. Anders als in China, gibt es hier auch sehr frühe Funde von Hunden. Es scheint allerdings, dass in Südchina eine zweite Domestikation des Hundes stattfand. Verschiedene molekulargenetische Hinweise deuten dafür wieder besonders auf Südostasien hin, und in Europa liegen andererseits wieder die bisher ältesten Funde von besonderer archäologischer Bedeutung. Eine ganz neue Studie (Brown, S.K. et al., 2011), gibt aber nun der südostasiatischen Herkunft der europäischen (und von diesen abgeleiteten amerikanischen) Rassen wieder das größere Gewicht. Sie erwähnt eine rezente Bedeutung der südostasiatischen Herkunft (Clade) in der Entstehung derselben, doch das wird vor der erstaunlichen Entstehung der europäischen Rassen-(Verwandtschafts-)Cluster stattgefunden haben. Elaine Ostrander und Robert K. Wayne (2005) schreiben: »Der Hund hat einen vielseitigen genetischen Ursprung, der vermutlich viele Wolfspopulationen umfasst und danach während ihrer Geschichte durch Rückkreuzung mit Wölfen angereichert wurde.« Doch nun wird es noch komplizierter, denn neulich wurden zwei weitere Kaniden entdeckt, die neben dem Äthiopischen Wolf, Canis simensis, und mehr als dieser, als afrikanische Wölfe gelten müssen. Einer davon ist der frühere Canis aureus lupaster, ein wolfartiger Kanide, der bislang für eine Abart des Goldschakals gehalten wurde und der nun als erster »echter« Wolf (Canis lupus lupaster) in Afrika gilt, doch es scheint jetzt, das auch Äthiopien, neben dem Canis lupus simensis, seinen eigenen afrikanischen Wolf beherbergt. Beide könnten aber erst 3 Millionen Jahre später die Entstehung der Wölfe in Eurasien und Nordamerika herbeigeführt haben, und der Haushund dürfte sicher nie in Afrika domestiziert worden sein.

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Wie gesagt, es mag zwei oder auch noch mehr Regionen der Domestikation gegeben haben, das ist weiterhin nicht genau bekannt. Vielleicht gab es verschiedene solche Orte und sicher mehrfach spätere Kreuzungen mit Wölfen verschiedener Herkunft. Doch die Periode um vor 16.000 Jahren, als der Mensch schon bald begann, teilweise sesshaft zu werden und Ackerbau und Viehzucht zu treiben, dürfte von ganz besonderer Bedeutung in der Geschichte der Haustierwerdung des Hundes gewesen sein. Denn der Mittlere und Nahe Osten ist die Region, die sehr wahrscheinlich eine Hauptrolle bei der Entwicklung des Haushundes gespielt hat, wie übrigens schon lange vor dem Beginn der molekulargenetischen Forschung vermutet wurde.

Am Anfang gewöhnten sich so beide, Mensch und ein steinzeitlicher Wolf aneinander und zogen voneinander Nutzen, der Wolf, angelockt von den Abfällen der intensiven und erfolgreichen Jagdtätigkeit des Steinzeitmenschen, der Mensch von deren Entsorgung und dann wohl auch von der Warnung durch den »Urhund« besonders in der Nacht, der dabei bald das Warnungsbellen lernte und so zur »steinzeitlichen Alarmanlage« wurde, um feindliche Menschen und Raubtiere wirkungsvoll abzuhalten. Und sehr hilfreich war wohl auch die Verwendung des Hundes als »Wärmekissen« in kalten Nächten (wie heute die Dingos bei den australischen Aboriginals) und die Reinigung der Lagerstellen von Unrat und menschlichen Exkrementen, letzteres eine wichtige zusätzliche (oder vielfach hauptsächliche?) Nahrung mit viel wertvollem bakteriellem und tierischem Eiweiß für domestizierte Hunde, die selbst nicht oder nicht mehr ausreichend jagen (können). Wie auch heute noch in der Dritten Welt.

Historisch betrachtet haben sich also Urhund und Menschen wohl gegenseitig »domestiziert« und »gezüchtet«, das kann heute schon so gesagt werden. Die Menschen der Steinzeit, also Primaten, hatten sich zu höchst erfolgreichen Jägern und dabei zu Konkurrenten der Karnivoren (den eigentlichen Raubtieren) entwickelt, die das zahlreich vorhandene Großwild der Tundra höchst erfolgreich jagten. So fanden sich reichliche Überreste ihrer Mahlzeiten, die Wölfe anlockten (es handelte sich wahrscheinlich um eine kleinere Abart, ähnlich dem Kojoten, aber, wie gesagt die belgischen, russische und andere Steinzeitfunde sprechen dagegen). Beide, Mensch und dieser Wolf gewöhnten sich vermutlich aneinander und zogen voneinander Nutzen, der Wolf von den Abfällen, der Mensch von deren Entsorgung und wohl auch bald von der Warnung in der Nacht durch den werdenden »Urhund«, der dazu zur besseren Wirkung das intensive Alarmbellen erlernte. Wölfe können zwar durchaus auch bellen, tun dies jedoch meist nur als Strophen in ihrem Gemeinschaftsgeheul und warnen sonst lediglich durch ein gedämpftes Wuffen oder Blaffen. Wohl um nicht durch Lärm ihre Baue zu verraten und so zum Beispiel Bären zu ihren Jungen zu locken. In der Gemeinschaft mit dem Menschen dagegen wurde bald das eindringliche, andauernde und laute Warnbellen zu einer der ganz wichtigen Eigenschaften des domestizierten Wolfes der damaligen Zeit.

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Wie es nun wirklich war, ist ja nicht genau bekannt, aber es ist zu vermuten, dass sich eine kleinere Wolfunterart zunächst dem Steinzeitjäger angeschlossen hat, von dessen grandiosen Jagderfolgen (z.B. durch Hetzen von Herden von Wisenten, Wildpferden etc. über Abgründe) profitierte und als Säuberer des Lagers oder der Höhle wie auch vermutlich als »Wärmflasche« nachts und Wächter sich sehr nützlich machte. Vor allem in der letzteren Funktion zeigte er sich wertvoll, so dass die Hunde haltenden Volksstämme in der Konkurrenz mit anderen erfolgreicher wurden. Damit kam der Hund faktisch überall hin, wohin die Menschen sich verbreiteten, kaum dass es ihn gab. Und damit aber waren Hunde zusätzlich auch als Bewacher des Heimes und der Herden unentbehrlich geworden.

So sagte auch ein Genetiker vom National Cancer Institute, Carlos Driscoll, Hunde mochten diese Änderung positiv beeinflusst haben – man würde meinen, vielleicht auch bewirkt haben. So hätten sie erst den Menschen für ihre neue Lebensweise die nötige Sicherheit gegeben, um zum Beispiel nicht im Schlaf überfallen zu werden. Damit aber wurde für den Menschen Bereicherung, Eigentum und damit auch Wohlhabenheit erstmals möglich, und die Hunde selbst zu einem höchst wertvollen Besitz, was ihre erstaunlich rasche und weltweite geografische Verbreitung erklären könnte, kaum dass sie entstanden waren. Die soziale Hierarchie der Menschen entwickelte sich positiv, und der Anstoß durch den Hund beschleunigte den unaufhörlichen Aufstieg des Menschen (Driscoll und Macdonald, 2010).

Für das alles gibt es keine Beweise, aber wir werden sicher darüber noch mit der Zeit wohl viel erfahren. Doch nun sind wir daran, immer genauer zu erforschen, wann und wo der Haushund denn entstanden ist. Peter Savolainen, 2002, hat dies in Schweden durch die Mitochondrien untersucht – das sind Zellorgane, sogenannte Organellen, die für unsere Energieversorgung verantwortlich sind – und, wie gesagt, womit er das Alter des (domestizierten) Hundes in Ostasien mit etwa 16.000 Jahren bestimmen konnte. Mitochondrien sind vermutlich einmal Bakterien gewesen, die in den Zellen des Körpers der höheren Organismen heimisch geworden sind und nur von den weiblichen Tieren vererbt werden können. Da sie sich im Lauf der Zeiten verändern, kann durch ihre Untersuchung die Abstammung der weiblichen Linien von Tierarten geklärt werden, und so wurde erstmals die Wolfsabstammung des Hundes molekulargenetisch bewiesen. Jetzt werden für solche Untersuchungen auch genomweit sogenannte SNPs (Single Nucleid Polymorphismen) herangezogen.

So begann die einmalige Art Symbiose Primat-Kanide. Durch den Urhund wurde das Leben des Steinzeitmenschen sicherer, jedenfalls solcher Menschen, die die nützlichen Kleinwölfe nicht vertrieben oder töteten, sondern vielmehr mit ihnen mehr oder weniger friedlich zusammenlebten. Auf diese Art lernten die Menschen auch bald mit anderen Tieren umzugehen, und konnten so nach dem Hund auch Nutztiere, als erstes Ziegen und Schafe, fangen, halten, züchten und domestizieren. Diese Menschen wurden durch ihren Umgang mit den Wölfen dafür selektiert, und bei den Wölfen wurde so der selektive Domestikationsprozess begonnen und fortgeführt. Also war das Ganze ein gegenseitiger Sozialisationsprozess, der sich zur (beidseitigen?) Domestikation entwickelte.

Heute haben die meisten Hunde etwas weniger scharfe Sinnesorgane als Wölfe, da die Sinnesschärfe bei den parasitierenden Hunden zum Teil nicht mehr so stark selektiert wurde als bei selbst jagenden Wölfen. Wo jedoch die Schärfe der Sinne ein Zuchtziel war, wie vor allem der Geruchssinn und das Gehör, wird besonders bei Jagdhundrassen der Geruchssinn auf einem hohen Niveau erhalten geblieben sein. Die große Überlegenheit des Hundes gegenüber dem Menschen, mit den Verhältnissen in der Nacht zurechtzukommen, hat zweifellos wesentlich zu der Eroberung der Welt durch den in der Nacht lang schlafenden Menschen erheblich beigetragen (oder sie erst ermöglicht).

Das gleiche gilt für Intelligenzleistungen. Das Überleben in der Natur erfordert eine ständige Bewährung der kognitiven Fähigkeiten des Gehirns. Daher haben jüngste Untersuchungen der Kognition bei Wolf und Hund eine gewisse Überlegenheit des Wolfes bewiesen (Frank, H. und M.G. Frank, 1987 und K. Kotrschal, mündliche Mitteilung). Dennoch sind Hunde auch heute im Durchschnitt hochintelligente Tiere geblieben, besonders Jagdhunde und Arbeitshunde verschiedener Art, denn intelligente und effektive Arbeitsleistung war ja ein Erfordernis bei der Hundehaltung und Züchtung. Und vor allem lernten Hunde, ihre mentalen Fähigkeiten in den Dienst des Menschen zu stellen.

Dazu brauchen viele Hunde beziehungsweise Rassen auch eine besondere Art der Intelligenz, die es ihnen ermöglicht, die Leistungen zu erbringen, die vom Menschen gefordert werden. Das sind vor allem Jagdhund- und Schäferhundrassen. Für uns erscheinen daher diese Rassen »intelligenter« zu sein als andere, weil wir ihre Intelligenz vorwiegend nach dem Grad einer raschen und perfekten Ausführung unserer Befehle bewerten (»Arbeitsintelligenz«, »Trainierbarkeit«, »working intelligence« nach Stanley Coren, »Die Intelligenz der Hunde«). Doch darüber hinaus gibt es auch die Kognition, also die allgemeine Denkfähigkeit zur Bewältigung der jeweiligen Aufgaben, die das Leben und die Umwelt an den Hund stellen.

Sind also Hund und Mensch die einzigen Tierarten, die sich gegenseitig domestizierten und dabei die Zusammenarbeit erlernten? Es ist erst wenige Jahre her, als Ethologen die erstaunliche Tatsache untersuchten, wie Hunde menschliche Hinweise durch Zeigen verstehen und dementsprechend handeln können, während der Ahnherr des Hundes, der Wolf, dazu nicht im gleichen Ausmaß imstande ist (was ihm jedoch beigebracht werden kann). Und sogar auch die dem Menschen am nächsten stehenden und klügsten Verwandten, die Schimpansen, nur in weit geringerem Ausmaß.

Erst diese Fähigkeit des Hundes ermöglichte aber die enge Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund, wie sie besonders bei der Arbeit des Schäferhundes und der Flintenjagdhunde (Gundogs, also Apportierhunde, (Retriever) und die Vorsteh- und Stöberhunde, wie Spaniels, in überzeugender und bewundernswerter Weise an den Tag gelegt wird. Gundogs sind Weiterentwicklungen der ursprünglichen primitiven Jagdhundformen, den Bracken. Von anderen Tieren ist bekannt, dass zum Beispiel auch Pferde, Ziegen und Katzen menschliche Hinweise verstehen lernen, sie erreichen dabei aber nicht das Leistungsvermögen der Hunde.

Es ist verständlich, dass solche Erkenntnisse zu eingehenden Überlegungen und Untersuchungen führen würden, die beispielsweise die Thematik der Domestikation und sogar eventuelle Parallelen mit dem Menschen zum Inhalt haben. Denn es fällt auf, dass eine so ausgeprägte Zusammenarbeit bei den Wölfen trotz ihrer hochsozialen Lebensweise und bei den Schimpansen - im Vergleich zum Menschen und zu Mensch-Hund – jedenfalls hinsichtlich der Flinten- und Schäferhundrassen nicht besteht. Also hat sich bei Hund und Mensch sogar eine besonders enge Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen zwei sehr verschiedenen Tierarten entwickelt, die sich auf diese besondere Fähigkeit des Hundes stützen kann.

Abrichtbarkeit nach Rassengruppen

(nach Daten von St.Coren, The Intelligence of Dogs)

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Wieso gibt es auch beim Menschen selbst eine so weitgehende Zusammenarbeit und dazu noch die unglaubliche Kommunikationsfähigkeit durch die Sprache, nicht aber bei seinen nächsten Verwandten im Tierreich, den Menschenaffen? Wieso verstehen Hunde Signale wie das Zeigen mit der Hand, obwohl sie selbst anatomisch dazu nicht in der Lage sind?

Kommunikation – die Basis der Entstehung des Haushundes

Ohne diese interspezifische Kommunikation wäre es wohl nie zum heutigen Haushund gekommen, aber vermutlich auch nicht zum heutigen Menschen! Denn, wie erwähnt, der Hund sorgte für den Schutz von Hab und Gut und damit ermöglichte er vermutlich erst die Sesshaftigkeit und sehr wahrscheinlich sogar das Überleben des Menschen in nördlichen Regionen, als der Wald am Ende der Eiszeit die Tundra verdrängte und die riesigen Herden der großen Grasfresser verschwanden. Die nun in viel geringeren Zahlen vorhandenen Waldbewohner aber waren schwer zu jagen, die feine Nase des Hundes war hier nun eine schier unentbehrliche Hilfe. Da Menschen ihrer Natur nach mit den ihnen vertrauten Mitmenschen und Angehörigen relativ friedlich und sehr kooperativ umgehen, ansonsten aber, wie die Weltgeschichte zeigt, höchst kriegerisch veranlagt sind, konnten jene Stämme des Menschen besser überleben, die es verstanden, mit Tieren, wie zunächst eben mit den intelligenten Hunden umzugehen, als diese zum Schutz vor Feinden und später zur Bewachung von Heim und Viehherden unentbehrlich wurden. Vermutlich ermöglichten sie das Sesshaftwerden erst, sie dienten ja, wie gesagt, als »Steinzeit-Alarmanlage«.