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Patricia B. McConnell & Karen B. London

Spielend Freunde werden

Richtiges Spiel
für Hund und Mensch

Kynos Verlag

Titel der englischen Originalausgabe: Play Together, Stay Together Happy and Healthy Play Between People and Dogs

© 2008 by McConnell Publishing Ltd. USA

Aus dem Amerikanischen übertragen von Gisela Rau

Titelbild: Tierfotoagentur.de/Jeanette Hutfluss

© 2009 für die deutsche Ausgabe

KYNOS VERLAG Dr. Dieter Fleig GmbH

Konrad-Zuse-Straße 3 • D-54552 Nerdlen/Daun

Telefon: +49 (0) 6592 957389-0

Telefax: +49 (0) 6592 957389-20

eBook-Ausgabe der Printversion 2012

ISBN-eBook: 978-3-942335-73-7

ISBN der gedruckten Ausgabe: 978-3-938071-77-9

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Inhaltsverzeichnis

Spielen ist eine machtvolle Sache. Es beeinflusst sehr viele Dinge – einschließlich Entwicklung, Motivation, Gefühlen, Physiologie, Kommunikation und Verhalten. Hui! Eine ganz schön beeindruckende Liste. Deshalb sind wir der Meinung, dass das Spiel zwischen Mensch und Hund ein eigenes Büchlein wert ist.

Intelligentes Spielen kann viel dazu beitragen, das Leben von Mensch und Hund schöner zu machen. Am wichtigsten aber ist: Spiel ist ein effektiver (und fröhlicher!) Weg, die Beziehung zu unserem Hund zu stärken. Und was könnte wichtiger sein, da Mensch und Hund nun einmal zwei unterschiedlichen Spezies angehören? Dass wir die besten Freunde unserer Hunde sind, ist in unseren Köpfen fest verankert, aber diese Beziehung sollte nicht für selbstverständlich genommen werden. Manchmal vergessen wir, wie besonders sie ist. Immer wieder sind Menschen überrascht, wenn sie von Individuen unterschiedlicher Spezies lesen, die zusammenleben und miteinander spielen – wie zum Beispiel ein Gorilla und sein Kätzchen oder ein Hund, der Eichhörnchen großzieht. Aber dass wir mit Hunden leben, finden wir ganz normal. Wie dem auch sei: Es lässt sich nicht bestreiten, dass unsere Beziehung zu Hunden ein kleines Wunder ist, wenn man betrachtet, wie nahe unser beider Leben sich gekommen sind.

Unsere besondere Beziehung zu Hunden beruht zum Teil auf unserer gemeinsamen Liebe zum Spiel. Für die meisten anderen Tiere ist es ungewöhnlich, im erwachsenen Alter noch regelmäßig zu spielen. Es gibt natürlich Ausnahmen wie zum Beispiel den Flussotter und Wolf, aber sie fallen uns eigentlich nur deshalb auf, weil wir so selten ausgewachsene Tiere spielen sehen. Wie viele ausgewachsene Kühe haben Sie schon zusammen fröhlich auf Weiden herumtollen gesehen? Menschen und Hunde sind Ausnahmen – vielleicht deshalb, weil wir, wie die Biologen sagen, neoten sind, das heißt, dass wir Eigenschaften aus unserer Jugend als Erwachsene beibehalten. Eine dieser Eigenschaften ist die Verspieltheit, die Hunde und Menschen in großem Maß besitzen – Sie und Ihr Hund sind also im Grunde die Peter Pans der heutigen Zeit. Spielen ist ein Teil unseres biologischen Bündnisses und für viele von uns ein Teil unserer täglichen Verbindung mit unseren Hunden. Auf das Einfachste reduziert bedeutet Spielen Spaß – und nichts steigert in uns stärker den Wunsch, mit jemandem mehr Zeit zu verbringen, als zusammen mit ihm Spaß zu haben.

Vielleicht ist dies ein guter Moment für die Frage, was Spielen denn überhaupt ist. Websters Lexikon definiert Spielen als »sich selbst mit etwas Amüsantem, Sport oder anderem Entspannendem zu beschäftigen: Kinder z. B. spielen mit Spielzeug.« Das ist eine weit gefasste Definition, die viele verschiedene Aktivitäten von Pokerspielen über Stabhochsprung bis zu Grimassenschneiden vor dem Spiegel zulässt. Wir möchten Sie dazu anregen, »Spielen« ebenfalls weiträumig zu definieren. Es gibt viele Möglichkeiten, wie Sie selbst und Ihr Hund sich amüsieren können: Was auch immer Ihnen und Ihrem Hund Spaß macht und Ihnen das Gefühl von Zufriedenheit und Ausgeglichenheit verschafft. Ruf- und Fangspiele sind wunderbare Wege, den Körper Ihres Hundes trainiert zu halten und das Lernen neuer Tricks ist eine Aufgabe für den Verstand Ihres Hundes. Die Balance zwischen mentalen und körperlichen Aufgaben schafft glückliche, gut erzogene Hunde, weshalb dieses Buch viele Tipps dazu enthält, wie Sie Ihren Hund dazu anregen können, seinen Verstand zu nutzen. Spiele sind auch tolle Hilfsmittel in der Erziehung und können genutzt werden, um selbst den überschwänglichsten und stürmischsten Hunden Manieren beizubringen. Manchmal lernt es sich eben am besten, wenn es sich gar nicht nach »Unterricht« anfühlt.

Man könnte meinen, dass unsere beiderseitige Liebe zum Spiel uns automatisch wissen ließe, wie man natürlicherweise zusammen spielt, aber leider passieren zwischen Menschen und Hunden gelegentlich Missverständnisse in der Kommunikation, wenn sie miteinander zu spielen versuchen. Was wir als Spielsignale betrachten versteht mancher Hund vielleicht als Korrektur. Oder Sie versuchen Ihrem Hund ein Spiel beizubringen, während er Ihnen gerade ein anderes beizubringen versucht – Hunde bringen uns immer wieder mit großer Meisterschaft dazu, ihnen nachzujagen anstatt uns den Ball von ihnen bringen zu lassen! Manchmal lernen Hunde beim Spielen auch Dinge, die in anderen Situationen Probleme machen können – das Nachbarskind kneifen oder Tante Nellie anrempeln zum Beispiel. Als Tierverhaltenstherapeutinnen haben wir oft gesehen, wie genau das netten Menschen mit netten Hunden passiert ist und diese letzten Endes deshalb in Schwierigkeiten gerieten. Das ist nicht weiter überraschend: Was die Kraft hat, Gutes zu bewirken, hat in der Regel auch die Kraft, Schaden zu verursachen. Es gibt keinen Grund dafür, dass Spielen eine Ausnahme von dieser Regel sein sollte.

Zum Teil macht Spielen deshalb Spaß, weil es aufregend sein kann, aber Aufregung kann auch aus der emotionalen Kontrolle geraten und dann wiederum zu Aggression werden. Und das ist natürlich das Letzte, was Sie beim Spielen mit Ihrem besten Freund haben wollen. Weil wir möchten, dass das Spiel ein positiver Faktor in der Beziehung zu unserem Hund ist, erklärt dieses kleine Buch Ihnen, wie Sie konstruktive Spiele mit Ihrem Hund spielen und wie Sie dabei Schwierigkeiten vermeiden.

Wie bei der Schönheit liegt auch beim Spielen der Spaß im Auge des Betrachters. Wir sprechen in diesem Buch viele Arten des Spielens an, von denen nur einige für Sie und Ihren Hund interessant sein werden – jeder Hund ist anders und jeder ist gern auf andere Weise mit seinem Besitzer zusammen. Man kann zwar aufgrund der Rasse Prognosen über die beliebteste Art des Spiels stellen, aber es kann auch durchaus sein, dass Sie einen Retriever haben, der nicht apportieren möchte oder einen Terrier, der nicht an Zerrspielen interessiert ist. Manche Hunde wollen scheinbar auch überhaupt nicht spielen und ziehen die Rolle des edlen Stubenhockers der des Klassenclowns vor. Das ist auch in Ordnung, eher geistig veranlagte Typen bevorzugen oft mentale Aufgaben und überlassen den Sport gerne anderen.

Bevor Sie weiterlesen, denken Sie bitte einen Moment über die Art des Spielens mit Ihrem Hund nach: Wie viel Spaß haben Sie dabei, und gibt es vielleicht noch andere Arten des Spielens, die Sie in Ihr Repertoire aufnehmen könnten? Vielleicht spielt Ihr Aussie gerne Ball, würde aber vielleicht auch mentale Aufgaben als Spielart begrüßen. (Nur weil Sie gerne Tennis und Golf spielen heißt das nicht, dass Sie keine Kreuzworträtsel oder Sudokus mögen.) Genau wie Kinder wissen viele Hunde nicht, was ihnen Spaß macht, bevor sie es nicht versucht haben. Wir hoffen, Sie zum Ausprobieren einiger neuer Dinge mit Ihrem Hund zu inspirieren. Wer weiß? Vielleicht stellt sich heraus, dass manche davon zu Ihrem neuen Lieblingsspiel werden.

Denken Sie doch auch einmal darüber nach, mit wem Ihr Hund spielen möchte und wann und wo er am liebsten spielt. Vielleicht haben Sie einen älteren Hund, der morgens ein bisschen länger zum Wachwerden braucht – vielleicht ist er ein Kandidat für Spiele, bei denen man sich erst später am Tag bewegen muss. Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass es Ihren Hund immer zu Ihrem jugendlichen Sohn hinzieht, wenn er Spaß haben möchte. Wenn das der Fall ist: Was genau tut Ihr Sohn, das das Spielen mit ihm so einnehmend macht? Genau jetzt ist eine gute Gelegenheit, sich bequem zurücklehnen und ein paar Minuten über das »Spielleben« Ihres Hundes nachzudenken. Wenn Sie das Thema wirklich gründlich erforschen wollen, schreiben Sie auf, wann und wo Sie mit Ihrem Hund spielen. Wenn man sich über Dinge klar werden möchte, gibt es nichts Besseres, als sie aufzuschreiben – und außerdem ist es immer gut, seinen eigenen Ausgangspunkt zu kennen.

Egal wie oder wie viel Ihr Hund spielt: Dieses Buch soll Sie dazu inspirieren, mehr Spiel in Ihren Alltag zu integrieren. Als Verhaltenstherapeutinnen staunen wir immer wieder darüber, wie viel Gutes das bewirken kann. Spielen kann Ihre Beziehung zu Ihrem Hund fördern, den Gehorsam Ihres Hundes verbessern und ebenso Verhaltensprobleme vermeiden und/oder verbessern. Wir möchten Ihnen dabei helfen, mit Spielen mehr Spaß in Ihr Leben bringen zu können, einen glücklicheren und sich besser verhaltenden Hund zu bekommen und dass Sie beide sich einander näher als je zuvor fühlen.

Spielend Freunde werden ist kein erschöpfendes Werk, das jede nur erdenkliche Möglichkeit des Spielens mit dem Hund aufzählt. Es soll Sie vielmehr dazu inspirieren, mehr und unterschiedliche Spiele in Ihr alltägliches Leben einzuflechten, die Vorteile des Spielens zur Bestärkung guten Benehmens zu nutzen und Sie vor solchen Arten des Spiels zu schützen, die Sie irrtümlicherweise in Schwierigkeiten bringen könnten. Vor allem aber haben wir aus einem Grund versucht, das Buch kurz und knackig zu halten – damit Sie es schneller niederlegen und mit dem Spielen beginnen können!

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In der Wissenschaft ist man sich nicht ganz darüber einig, ob Hunde wirklich als neoten zu bezeichnen sind oder ob ihre kindlichen Merkmale nicht vielleicht Ausdruck eines anderen Phänomens sind. Aber diese Debatte geht weit über den Rahmen dieses Büchleins hinaus!

Mit Ihrem Hund zu spielen bereichert Ihre Beziehung zu ihm. Schlicht und einfach. Viele wissenschaftliche Studien zu sozialen Interaktionen betonen die Wichtigkeit des Spielens für eine gute Beziehung, und das trifft für die Angehörigen vieler Spezies zu. Durch die Bank haben diejenigen Eltern die beste Beziehung zu ihren Kindern, die am meisten mit ihnen spielen.

Das ist für die meisten von uns, die wir Hunde als Familienmitglieder betrachten, nicht weiter überraschend, aber dennoch befriedigend. (Und es gibt Ihnen einen guten Grund, Ihren Hausputz zu unterbrechen und stattdessen mit Ihrem Hund zu spielen – merken Sie, wie viel Spaß Wissenschaft macht?) Außerdem beweist es, dass wir das Thema Spielen ernst nehmen sollten, ganz besonders als eine Möglichkeit, diese geradezu magisch enge Verbindung zu schaffen, die die meisten von uns gerne zu ihren Hunden haben möchten – zu den Tieren, die unser Leben, unsere Häuser und unsere Herzen teilen.

Überraschend ist, dass die Art des Spiels, auf die wir uns mit unseren Hunden einlassen, in der Welt des Tierverhaltens relativ selten vorkommt. Wie schon erwähnt, ist die Tatsache, dass Hunde und Menschen im erwachsenen Alter verspielt bleiben, eher unüblich und ein bezeichnender Teil der besonderen Beziehung, die wir teilen. In gewissem Maße ist Spielen nicht nur etwas, das unsere Beziehung verbessert, sondern es ist etwas, das diese Beziehung überhaupt erst entstehen lässt. Und deshalb ist es so machtvoll.

Aufzuschlüsseln, wie Spielen die Beziehung beeinflusst und wie Beziehungen umgekehrt das Spielen beeinflussen, hat Sozialwissenschaftler jahrzehntelang beschäftigt. Und es gibt Gott weiß immer noch viel zu lernen. Was wir wissen, ist, dass die meisten Menschen mit denjenigen spielen, mit denen sie sich nah verbunden fühlen und bei denen sie sich wohlfühlen. Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass dies nicht auch dann zutreffen sollte, wenn andere Spezies ins Spiel kommen. Tatsächlich haben jüngste Untersuchungen ergeben, dass dies auch auf Hunde zutrifft. Eine Studie von Topál und anderen hat ergeben, dass Hunde lieber dann mit Fremden spielen, wenn auch der Besitzer da ist als in seiner Abwesenheit. Normalerweise beginnen Hunde nicht zu spielen, wenn um sie herum Menschen sind, die sie nervös machen. (Wenn man darüber nachdenkt, ist uns in der Gegenwart fremder Hunde, die uns nervös machen, ja auch nicht zum Spielen zumute.) Wie auch immer: Spielen ist wunderbar und kann bewirken, dass das Wohlbefinden aller Beteiligten zunimmt, wenn zum Beispiel ein schüchterner Hund mit einem Unbekannten Tauziehen spielt oder ein kleiner, zurückhaltender Junge einen Ball für einen großen Hund wirft.

Nach einer Studie von Rooney und Bradshaw können Spieleinheiten auch das Training effektiver machen. Sie haben herausgefunden, dass Hunde bessere Ergebnisse in »folgsamer Achtsamkeit« erzielen, wenn davor eine Spieleinheit stattgefunden hat. Das ist für viele Trainer und Besitzer keine Überraschung, sondern bestätigt einfach nur, was die meisten von uns schon wussten: Training ist sofort viel leichter und effektiver, wenn wir vorher mit unseren Hunden gespielt haben. Ob es die Bewegung ist, die das bewirkt, der Spaß oder irgendein anderer Aspekt des Spielens ist schwer zu sagen, aber auf jeden Fall verschafft Spielen uns die Aufmerksamkeit des Hundes. Diese besondere Achtsamkeit besteht über die Dauer der Spieleinheit hinaus. Egal, was der Grund dafür ist – es ist definitiv gut für unsere Beziehung.

Auch wenn es wenige Untersuchungen zu den Auswirkungen der unterschiedlichen Spielarten auf das Verhalten gibt, so besagt doch eine Studie von Rooney und Bradshaw, dass Spiele mit viel Körperkontakt sich auf die Bindung auswirken können und dass außerdem ein Zusammenhang zwischen dieser Art von Spiel und dem Verhalten in Trennungssituationen besteht. Die Wissenschaftler ließen Besitzer mit ihren Hunden spielen und dann den Raum verlassen, woraufhin sie die Art des Spielens mit dem Verhalten des Hundes nach dem Weggehen des Besitzers verglichen. Sie fanden heraus, dass körperlicher Kontakt bei einer Spieleinheit zu weniger ängstlichem Verhalten führte, wenn der Besitzer ging. (Beispiele für solches Verhalten sind etwa, dass der Hund an der Tür steht, durch die der Besitzer den Raum verließ oder in der Abwesenheit seines Besitzers bellt.) Da in dieser Studie nur diese direkten Zusammenhänge untersucht wurden, wissen wir nicht, ob bestimmte Spiele die Bindung der Hunde an uns direkt beeinflussen. Auf jeden Fall ist es aber beachtenswert, dass körperlicher Kontakt während des Spielens einen großen Einfluss hat. An dieser Stelle haben wir allerdings einen Einwand. Obwohl es Vorteile zu haben scheint, körperlich mit dem Hund zu spielen, warnen wir Sie vor Ringkampf-ähnlichen Spielen (siehe dazu »Wie Sie nicht mit Ihren Hund spielen sollten« auf Seite 73), denn diese können zu einer Menge Schwierigkeiten führen. Besser beraten sind Sie, wenn Sie andere, behutsamere Spielarten bevorzugen.

Dass wir beide Spiel gleichermaßen lieben, bedeutet nicht immer, dass wir auch wissen, wie man gut und schön zusammen spielt. Immerhin sind wir zwei unterschiedliche Spezies, und da ist es nicht überraschend, dass es gelegentlich zu Missverständnissen kommt. Manchmal bestehen sie nur darin, dass der Hund den Ball nicht zurückbringt, aber es können auch gefährliche oder erschreckende Situationen entstehen. Es ist durchaus realistisch, sich um mögliche Missverständnisse Gedanken zu machen, denn soziales Spielen besteht in erster Linie aus Aktionen, die dem Kampf-, Jagd- oder Balzverhalten entlehnt sind. Verhaltensmuster aus dem Bereich des Beutemachens wie Jagen, Beißen und Schütteln sind besonders problematisch, denn all diese Handlungen sind hoch erregend und potenziell gefährlich, wenn die Dinge außer Kontrolle geraten.

Hunde haben aus diesem Grund eigene, stereotype Spielsignale entwickelt, die man grob als »Ich mach ehrlich nur Spaß!« übersetzen könnte. Im Spiel tun Hunde Dinge, die man in anderem Zusammenhang als feindlich bewerten würde, weshalb es wichtig ist, dass die hündischen Spielgefährten das Verhalten als freundlich anstatt als aggressiv verstehen.

Menschen sind da gar nicht anders – stellen Sie sich nur einmal vor, dass das, was auf einem Fußballfeld vor sich geht, plötzlich auf einem Supermarktplatz zwischen Fremden passieren würde. Der Zweck von Spielsignalen besteht also darin, sicherzustellen, dass alle Beteiligten verstehen: Was hier gerade passiert, ist spielerisch und nicht bedrohlich.

Weil Hunde darauf angewiesen sind und erwarten, dass ihre Spielpartner klar mit ihnen kommunizieren, ist es sinnvoll, einmal über die von ihnen verwendeten Signale nachzudenken und sie in unser eigenes Repertoire zu übernehmen. Das klassische Spielsignal ist die sogenannte Spielverbeugung, die man häufig sieht, wenn freundliche, ausgeglichene Hunde zusammenkommen. Ein Hund wirft sich dazu so auf die Vorhand, dass er auf seinen Ellenbogen liegt, während die Hinter -hand fast auf normaler Höhe bleibt. Möglicherweise zeigt ein anderer Hund ebenfalls diese Pose, bevor beide zusammen in einem gemeinsamen Jagdspiel losrennen. Juhu, welch ein Spaß! Das Spiel ist eröffnet!

Spielverbeugungen werden genutzt, um ein Spiel zu beginnen und in Gang zu halten. Viele Hunde wedeln mit dem Schwanz und manche bellen auch, wenn sie eine Spielverbeugung machen, aber die Grundform ist immer die Gleiche: Die Vorhand ist unten und die Hinterhand ist höher. Das Senken des Kopfes könnte vielleicht den Sinn haben, den spielwilligen Hund weniger bedrohlich erscheinen zu lassen, als es sonst der Fall wäre. Die Tatsache, dass Spielverbeugungen so konstant in ihrer Form sind, zeigt vielleicht, wie wichtig es ist, dass ein Spielsignal wirklich eindeutig ist.

Es gibt zwar keine bestimmte Untersuchung hierzu, aber wahrscheinlich ist auch, dass die Spielverbeugung dazu dient, im lebhaften sozialen Spiel Pausenmomente zu schaffen. In einem angemessenen Spiel machen Hunde öfter für einen kurzen Moment Pause und spielen anschließend weiter – Jagen, Ringen und spielerisches Beißen wechseln sich mit Spielverbeugungen und Stillstehen ab. Diese Pausen sorgen für Unterbrechungen in der Art von hoch anstrengendem, hoch erregendem Spiel, das ansonsten »überdrehen« und damit zu Problemen führen kann. Diese Pausen sind so wichtig, dass wir an ihnen bestimmen können, ob unsere Hunde angemessen spielen oder nicht. Hunde, die genügend Selbstkontrolle haben, das Spielen zu unterbrechen, sind höchstwahrscheinlich auch die, die übermäßige Aufregung, Verlust der Impulskontrolle und unangemessene Reaktionen auf das Verhalten ihrer Spielpartner vermeiden.

Die Wichtigkeit der Pausen und Unterbrechungen ist der Grund dafür, dass es so schwierig ist, mit einem Hund eine Art »An-Aus«-Spiel zu spielen. Den Bedarf nach einer Pause zu ignorieren und den Gefühlen damit keine Chance zu geben, sich wieder abzukühlen, ist ein häufiges Problem im Spiel zwischen Menschen und Hunden (und insbesondere zwischen Kindern und Hunden). Nicht, dass Sie auch Spielverbeugungen machen müssten, aber es ist unbedingt wichtig, zwischen lebhaftem Spiel und kleineren Pausen abzuwechseln, um die Gefühle im Zaum zu halten. Ein gutes Beispiel dafür, wie man das machen kann, ist im Abschnitt über Zerrspiele beschrieben. Sie bringen Ihrem Hund dort bei, wild zu spielen und dann eine Pause zu machen und lehren ihn damit einen Weg, seine Emotionen zu kontrollieren.