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Dr. Friedmar Krautwurst
Fachwörterbuch für
Hundezüchter und
Hundehalter
Erklärung wesentlicher fachspezifischer
Begriffe zu Vererbungslehre,
Veterinärgenetik, Ernährungswissenschaft
A - Z
KYNOS VERLAG
© 2004 KYNOS VERLAG
Dr. Dieter Fleig GmbH • 54570 Mürlenbach/Eifel
Telefon: 06594/653 • Telefax: 06594/452
ebook-Ausgabe der Printversion (epub)
ISBN 3-942335-34-8
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Inhaltsverzeichnis

Die Rolle des Hundes in der menschlichen Gesellschaft unterliegt einer ständigen Veränderung. In unserer Zeit rückt die Mensch-Tier-Beziehung immer mehr in den Vordergrund. Dabei zeigt sich aber auch deutlich, dass der Mensch seiner Verantwortung gegenüber der Kreatur in vielerlei Hinsicht oft nicht gerecht wird. Es kann an dieser Stelle natürlich nicht Gegen-stand sein, auf diese Erkenntnis im Einzelnen einzugehen. Zum Anderen soll auch nicht der Eindruck entstehen, als wüsste ich, nach vielen Jahrzehnten Erfahrungen, nichts um die Problematik, die sich in der Hundezucht und Haltung gegenwärtig abzeigt.

Ebenso nicht die Tatsache, dass erforderliche Bemühungen zur Aneig-nung elementarster Grundkenntnisse über Zucht, Ernährung, Sozialverhalten und anderes mehr, bei weitem nicht die Regel aller Zuchtverantwortlichen, Züchter und Halter sind.

Nicht zu übersehen ist allerdings auch, dass sich ernst zu nehmende Züchter in steigendem Maße bemühen, ihre Zucht auf Erbgesundheit, Langlebigkeit und Wesensfestigkeit auszurichten. Auch die Bemühungen um eine wirklich artgerechte Ernährung rückt bei diesen Mensch-Hund-Beziehungen immer mehr in den Mittelpunkt der Denkweise.

Dabei ist es allerdings für den potenziellen Hundezüchter nicht immer gegeben, die Erkenntnisse der Wissenschaften in ihrem aktuellen fachspezifischen Wortlaut für sich einzufangen. Bemühungen um das Verständnis von Fachbezeichnungen führen oft nicht zum Erfolg, und so ist das getrübte Verhältnis eines manchen Hundezüchters zur Wissenschaft gewissermaßen zum Schaden der Zucht und Haltung des Hundes vorprogrammiert.

Unter diesem Aspekt ist der Gedanke entstanden, einige aus Erfahrungen als relevant erscheinende Fachbegriffe diesem Personenkreis aus praktischer Sicht etwas näher zu bringen. Dabei war ich nicht so vermessen, auch nur im Geringsten an eine lexikalische Aufarbeitung der anste-henden Thematik zu denken. Die verwendete Einordnung nach A bis Z soll lediglich der schnellen Auffindung der ausgewählten fachspezifischen Begriffe dienen, ihre Auswahl erfolgte nach den Veröffentlichungen über Tierzucht und den speziellen Wissenschaften der Vererbungslehre, Veterinärgenetik bzw. Veterinärmedizin und der Ernährungswissenschaft. Diesbezügliche Grundsatzliteratur wurde im Anhang ausgewiesen und wird zur Weiterbildung empfohlen.

Großkochberg, im Frühjahr 2004
Dr. Friedmar Krautwurst

Kurz vor Drucklegung dieses Buches und nur wenige Tage, nachdem wir letzte Korrekturen am Manuskript telefonisch beraten hatten, erreichte uns im Verlag die unfassbare Nachricht, dass Dr. Friedmar Krautwurst am 27.05.2004 plötzlich und unerwartet verstorben ist.

Wir verlieren einen Autor und Menschen, mit dem die Zusammenarbeit stets ein Vergnügen war. Die Hundewelt verliert einen Kynologen, der sich stets kompromisslos für das Wohl der Tiere eingesetzt hat, vor allem was Gesundheit in der Rassehundezucht betrifft. Eine sich an Maßstäben von Generationen orientierende und an Erhalt von Funktionalität und Vitalität der Hunde interessierte Zucht ist ohne profundes Fachwissen zu den Gesetzmäßigkeiten der Genetik unmöglich und bleibt rein experimentelle Spekulation. Dr. Friedmar Krautwurst sah es als seine Aufgabe, immer wieder auf die wissenschaftlichen Grundlagen in unserer Beschäftigung mit Zucht, Haltung oder Ernährung von Hunden hinzuweisen und die oft komplizierten Zusammenhänge auch für Laien verständlicher zu machen.

Vorliegendes Werk leistet einen weiteren wichtigen Beitrag dazu und wird als Teil des Vermächtnisses von Dr. Friedmar Krautwurst hoffentlich noch vielen Hundezüchtern und Zuchtverantwortlichen in der Rassehundezucht Hilfe und Ratschlag sein.

Mürlenbach, im Juni 2004
Kynos Verlag

1. Die aufgeführten Fachausdrücke wurden nach Erkenntnissen praktischer Bedarfserfordernisse ausgewählt und im Bemühen für ebenfalls praktisches Verständnis dargestellt. Es kann demzufolge weder Anspruch auf Vollständigkeit noch wissenschaftlich absolute Exaktheit erhoben werden.

2. Eine lexikongerechte Darlegung der Ausführung erfolgte nicht.

3. Spezialbezeichnungen, die keine Beziehungen zu den im Vorab aufgeführten wissenschaftlichen Disziplinen erkennen lassen, wurden nicht in diese Erörterungen einbezogen, selbst wenn sie in der Begriffs-deutung der Züchter Verwendung finden.

4. Die umfangreichen Erbkrankheiten des Hundes gehören in den Bereich der Veterinärgenetik, deshalb wurden nur einige, nach Ansicht des Verfassers weit verbreitete, an dieser Stelle mit aufgeführt.

5. Abkürzungen im Text sind fett gedruckt und weisen somit auf ihre nochmalige ausführliche und vollständige Erläuterung hin.

6. Fachwörter im Text, die in alphabetischer Einordnung ihre spezifische Erläuterung finden, wurden kursiv angezeigt und können somit speziell aufgesucht werden.

Aberration: (lat. aberratio) - ablenken, abirren.

Beispiele für Aberrationen sind die Chromosomenaberrationen, bei denen die Anzahl oder die Struktur von Chromosomen im Genom verändert ist, siehe dazu auch unter Chromosomenmutationen und Polyploidien.

Abort: Fehlgeburt, Verwerfen, vorzeitige Unterbrechung der Trächtigkeit durch Ausstoßen der noch nicht vollentwickelten Frucht bzw. Früchte.

Als Ursachen kommen Traumata (z.B. Unfall), schwere Allgemeinerkrankungen und Infektionen in Betracht. Bei letzteren handelt es sich vorwiegend um Brucella Canis und Canides Herpesvirus (CHV). Spontane Aborte sind bei Hündinnen relativ selten, möglicherweise wird ein Teil der Fälle übersehen, da die abortierten Feten des Öfteren durch das Muttertier aufgefressen werden.

Absorption: (absorbieren, aufsaugen, einsaugen)

Absorption der verdauten Nährstoffe durch die Darmwand, beim Hund vorwiegend im Dünndarm, der ausschließlich der chemischen Verdauung und Absorption der Nährstoffe dient.

Abstammung: Tierzüchterischer Begriff, der einerseits auf die Abstammung der Wildform des Haustieres (z.B. Hund - Wolf) hinweist und zum anderen die individuelle Abstammung innerhalb der Rasse über die Ahnentafel zum Ausdruck bringt.

Abstammungsbewertung: Eine Möglichkeit der Erbwertschätzung für Zuchttiere nach den vorhandenen Angaben zu ihren Vorfahren.

Die Aussagesicherheit für quantitative Merkmale und Eigenschaften ist nach dieser Methode allerdings gering. »Der Abstammungsnachweis lässt vermuten, was ein Tier sein soll - die Individualität eines Tieres deutet an, was es zu sein scheint - das Zuchtergebnis verrät uns, was ein Tier tatsächlich ist.« BRANDSCH 1973.

Acetabulum: Der knöcherne Anteil der Gelenkpfanne des Hüftbeins, die mit dem Kopf des Oberschenkelknochens, dem Femurkopf (Caput ossis femoris) die Hauptanteile des Hüftgelenkes (Articulatio coxae) darstellt. Die aufeinander abgestimmte Form von Acetabulum und Femurkopf gewährleistet eine leistungsstarke und schmerzfreie Fortbewegung. Fehlbildungen werden röntgenologisch in Form der Hüftgelenksdysplasie (HD) erfasst und züchterisch reglementiert.

Achondroplasie: Eine entwicklungsbedingte Zwergform, die Hunde haben sehr kurze Läufe bei sonst vollkommen normaler Körpergröße.

Adaption: Akklimatisation, Fähigkeit der Hunde, sich bezüglich ihrer physiologischen Vorgänge und Verhaltensweisen an anders geartete Umweltbedingungen anzupassen. Beispielsweise Nordische Hunde im Rennsport in wärmeren Regionen.

Additive Genwirkung: Eine Form der Polygenie, bei der sich gleichsinnige Gene zur Ausprägung der Merkmale und Eigenschaften ergänzen bzw. verstärken. Diese Wirkungsweise, bei der sich mehrere Gene addieren, ist unabhängig von deren auf Dominanz oder Epistasie beruhendem Verhalten. Die additive Genwirkung spielt bei der Vererbung von quantitativen Merkmalen und Eigenschaften, die beim Hund in der Mehrzahl vorhanden sind, eine entscheidende Rolle.

Adenin: Eine der vier heterozyklischen organischen Basen (Adenin, Guanin, Cytosin, Thymin), die als Bestandteil der Nukleinsäure beim Aufbau der DNA-Kette für die Erbinformationen von großer Bedeutung sind.

Aguti: Ein zur Familie der Nagetiere gehörendes, meerschwein- bis kanin-chengroßes Säugetier. Sein komplexes Muster im Fell zeigt zonenweiße ins Deckhaar eingelagerte Farben, die ein Ringelmuster bilden. Als genetische Hintergründe dieses Phänotyps sehen die Genetiker das Wildtypallel (w/+), das auch beim Grauwolf auftritt und durch Mutation und Selektion zu den Farbvarianten der heutigen Haushunde führte.

Aguti - Locus A: Der nach dem Wildtypallel (w/+) bzw. der Grundfärbung des Aguti benannte Genort (Locus) auf den Chromosomen.

Ahnentafeln: Abstammungsnachweise, oft ist auch vom Rasse-Echtheits-zertifikat die Rede, was allerdings nicht exakt erscheint, denn im Grundsatz ist es eine Aufzeichnung über die Vorfahren bis zur vierten Generation und so gesehen könnte man durchaus auch für Mischlinge eine Ahnentafel führen.

Die Ahnentafeln werden von den Zuchtbuchstellen der jeweiligen Rassehundezuchtverbände erstellt und bleiben als Urkunde im juristischen Sinn dessen Eigentum. In Abhängigkeit von der Relevanz und dem Umfang der Eintragungen geben sie dem Züchter Hinweise bei der Auswahl der Paarungspartner und sollten keinesfalls unterschätzt werden. Die Eintragungen der Vorfahren haben für den zu prüfenden Hund einen gewissen Einfluss, umso näher sie in den Ahnengenerationen stehen. Züchter, die sich bemühen, die Ahnen über viele Generationen im Gedächtnis zu behalten, machen sich allerdings selbst etwas vor, denn von denen ist im genetischen Sinn nicht mehr als der Name geblieben.

Ahnenverlustkoeffizient (AVK): Grad für den Verlust an genetischer Vielfalt infolge mehrfach vorkommender Ahnen.

Die Angaben erfolgen als Quotient aus der Anzahl der tatsächlich noch vorhandenen Ahnen und der insgesamt nach der Ahnentafel möglichen und werden in Prozent dargestellt. Umso niedriger der errechnete Prozentsatz des AVK wird, umso stärker ist der Hund ingezüchtet.

Akzeptanz: Das Futteraufnahmeverhalten des Hundes gegenüber den angebotenen verschiedenen Futtermitteln. Die Akzeptanz eines Futtermittels wird durch die Summe jener Eigenschaften bestimmt, die der Hund bei der Aufnahme durch verschiedene Sinneseindrücke (über Nase und Rachen-raum) registriert.

Albinismus: Das angeborene, vollständige oder teilweise Fehlen von Pigment in Haut, Haar und Augen, vollständiger Albinismus ist bei Hunden selten.

Alkalose: Infolge Störung des Elektrolytgleichgewichtes (Verhältnis von Kalium (K+) + Natrium (N+) zu Chlor (Cl-) ) entstandene Säureunterbilanz im Blut. Ursache ist ein Überschuss an Kalium- und Natriumkationen.

Allantois: Embryonaler Harnsack, der zu den Fruchthüllen gehört, die als Nachgeburt ausgestoßen werden. Er enthält den vom Fetus gebildeten Harn sowie weitere Stoffwechselprodukte. Die Allantois mit ihrer Flüssigkeit reißt bei der Geburt als erste Fruchtblase.

Alleinfutter: Industriell hergestelltes, nährstoffmäßig ausgeglichenes Hundefutter, das auch als Vollkost oder Fertigfutter bezeichnet wird. Diese Futterangebote besitzen in der Regel Nährstoffe mit hoher Verdaulichkeit und bedürfen keinerlei Zusätze.

Allele (Einzahl Allel): Alternative Formen eines Gens.

Ein Allel wird jeweils vom Vater, das andere von der Mutter während der Befruchtung zugesteuert. Allele stellen somit gleiche (AA) oder ungleiche (Aa) Zustandsformen eines Gens dar, die jeweils an den homologen Genorten (Loci) der Chromosomen lokalisiert sind. Diese alternativen Formen eines Gens bewirken für das betreffende Merkmal, wenn sie identisch (AA) sind, Reinerbigkeit (Homozygotie) oder, wenn sie verschieden sind (Aa), Mischerbigkeit (Heterozygotie).

Allelendrift (auch Genetische Drift): Sie ist die Tendenz einer zufälligen Änderung der Allelhäufigkeiten innerhalb einer Population. Diese Erscheinung kann bis zum Verschwinden (Ausdriften) des einen, aber auch zum alleinigen Vorhandensein (Fixierung) des anderen Allels eines Genlocus führen. Es ist dies der Wechsel des Anteils der einzelnen Allele von einer Generation zur anderen. Die Auswirkung der Drift verhält sich umgekehrt proportional zur Größe der Population. Mit Verringerung der Populationsgröße nimmt demnach die Driftwirkung progressiv zu und es kommt zur Reduzierung der genetischen Variabilität und somit zur genetischen Verarmung.

Allelie - multiple (Allel-Serien): Im Falle von multipler Allelie sind mehr oder weniger große Serien verschiedener Allele durch Mutation eines Gens entstanden, die gleiche phänotypische Merkmale betreffen und in jeweils charakteristischer Weise abwandeln.

Je nach Größe der betreffenden Serie multipler Allele können eine Vielzahl unterscheidbare Phänotypen des betreffenden Merkmals auftreten. Beispielsweise die unterschiedliche Ausprägung der weißen Flecke im Fell bei verschiedenen Rassen.

Allelserien (auch Gen-Serien): Gene mit mehr als zwei Arten von Allelen, die unabhängig voneinander wirken können (siehe auch Allelie, multiple).

Allel- und Genotypenfrequenz: Allelfrequenzen ergeben sich aus der relativen Häufigkeit von Allelen in einer Population.

Genotypen wiederum sind das Produkt der in der Population vorhandenen Allelfrequenzen. Die züchterische Aufgabenstellung besteht somit in der Allelfrequenzänderung in Richtung leistungsstarker und gesunder Genotypen. Der Erfolg setzt allerdings die Ermittlung der jeweils genetischen Ausgangssituation - »Geninventur« - in der Population voraus. Für die Schätzung der Allelfrequenzen wurden spezielle Methoden erarbeitet und in die wissenschaftliche und praktische Arbeit eingeführt.

Alopezie: Eine ernst zu nehmende Krankheit, die zu Hautentzündung und Haarausfall führt.

Zur Genetik der Krankheit wird die Mitwirkung von Rassefaktoren als genetisch disponiert angegeben. Die Ursachen des Haarausfalls werden aber als vielgestaltig bezeichnet, indem bei mehreren Formen polygenetische Erbfaktoren mitwirken sollen.

Aminosäuren: Organische Säuren von großer physiologischer Bedeutung. Als Bausteine der Eiweißstoffe sind sie wesentlicher Bestandteil aller lebenden Zellen. Im Stoffwechsel dienen sie als wichtige Vorstufen zum Aufbau anderer körpereigener Stoffe und haben vielseitige weitere Funktionen zu erfüllen.

Im Zusammenhang mit der Übertragung der Erbinformationen werden Aminosäuren von Basentripletts für die Eiweißsynthese codiert.

Amnion: Schafhaut, innere Embryonalhaut, die gemeinsam mit der äußeren, dem Chorion, Schutz- und Ernährungsfunktionen für den Embryo ausübt, sie bildet weiterhin einen Teil des Fruchtwassers (Amnionflüssigkeit) und reißt während der Geburt mit oder nach der Allantois.

Analdrüsen: Afterdrüsen, die sich rechts und links neben dem After unter der Haut befinden. Beim Kotabsatz sondern die Analdrüsen ein Sekret ab, das oft vom Menschen geruchlich nicht wahrgenommen wird, es dient der Geruchsidentifikation des Hundes, der Reviermarkierung und zum Anlocken des Geschlechtspartners.

Anaphase: Dritte der ineinander übergehenden Phasen während der Mitose und Meiose (Körperzellteilung und Geschlechtszellbildung).

In diesem Stadium ziehen sich die Chromosomenhälften an so genannten Spindelfasern in entgegengesetzter Richtung zum Pool der Zelle.

Anatomie: Aufschneiden, Zergliedern, die Lehre von der Form und dem inneren Bau der Lebewesen, die sich auf die Kunst der Zergliederung von Lage, Gestalt und Bau der Individuen gründet. Die Anatomie gliedert sich auch beim Hund in mehrere Fachrichtungen und Arbeitsbereiche wie pathologische und vergleichende Anatomie, oder nach der Darstellungsmethode in systematische, topografische, mikroskopische und funktionelle Anatomie.

Anöstrie: Das Ausbleiben der Läufigkeit einer Junghündin.

Wenn die Hitze bis zum zweiten Lebensjahr nicht eintritt, dann muss mit einer Fruchtbarkeitsstörung gerechnet werden.

Anöstrus: Eine der vier hormonell bedingten Geschlechtszyklusphasen der Hündin, die eine 50 - 70 Tage anhaltende relative Geschlechtsruhe bewirkt.

Anomalie: Angeborene oder erworbene Abweichung vom Normalen, auch für Unregelmäßigkeit und spezielle Entwicklungsstörungen.

Antigen: Fremdeiweißkörper (Bakterien, Viren, tierische Gifte), die im Blut die Bildung von Antikörpern auslösen.

Erworbene oder ererbte Immunität eines Organismus gegen bestimmte Krankheitserreger beruht auf der Einwirkung eines Erregers oder der von diesem ausgeschiedenen Gifte. Es bleibt anzumerken, dass Antigene nicht mit der Genetik zu verwechseln sind, sondern einen Begriff aus der Immunologie darstellen.

Antikörper: Proteinmoleküle, die imstande sind, körperfremde Stoffe, so genannte spezifische Antigene, zu erkennen und diese zu binden.

Säugetiere besitzen Gene für zellspezifische Funktionen - die Immunoglobulingene - diese führen zur Erzeugung bestimmter Proteine, die Antikörperketten darstellen, auf denen die Funktion des immunologischen Abwehrsystems beruht. Mehrere Antikörperketten bilden dann einen Antikörper, der die Antigene anlagert und zur Bildung eines Antikörper-Antigen-Komplexes führt, dieser wird anschließend durch andere Zellen des Immunsystems vernichtet.

Antioxidantien: Substanzen (Ethoxiquine, BHA, BHT oder B 37 und B 67, Askorbinsäure wie Vitamin C und Tocopherole wie Vitamin E), die vorwiegend im Trockenfutter die Oxydation der Fette über einen gewissen Zeitraum verhindern bzw. verzögern sollen.

Der Einsatz dieser Stoffe wird in der Futtermittelordnung geregelt.

Äquationsteilung: Ein Vorgang während der Zellteilung in den Stadien der Anaphase und Telophase, der zur Trennung der auf der Äquatorialebene angeordneten Chromaditen und zur Durchtrennung der Mutterzelle in zwei Tochterzellen führt.

Äquatorialebene: Ebene in der Mitte des teilungsbereiten Zellkernes, die sich während der Zellteilung im Stadium der Methaphase mikroskopisch nachweisen lässt. Auf der Äquatorialebene erfolgt die Anordnung der Chromosomen vor ihrer Längsteilung und Trennung in Schwesterchromosomen, die Chromaditen.

Arginin: Wichtige, am Harnstoffzyklus beteiligte Aminosäure.

Die Harnstoffaufbereitung erfolgt in der Leber, von dort gelangt er in die Nieren zur Ausscheidung.

Arten: Individuen einer Art sind miteinander fruchtbar und bilden eine Fortpflanzungsgemeinschaft, die ihrerseits wiederum fruchtbare Nachkommen hervorbringen.

Andererseits sind Arten von anderen Arten reproduktiv isoliert, weil Isolationsmechanismen die Kreuzung von Angehörigen verschiedener Arten im Normalfall verhindern. Artbastarde sind unter natürlichen Bedingungen äußerst selten. Die reproduktive Isolation ist ein Schutz vor Eindringen von Fremdgenen. Wenn das nicht der Fall wäre, würden die Beziehungen Art-Umwelt verhängnisvoll gestört. Arten, die miteinander verwandt sind, werden mit lateinischen Doppelnamen bezeichnet, wobei der erste die der Art übergeordnete Gattung und der zweite die betreffende Art benennt.

Beispiel: Canis lupus = Wolf
Canis familiaris = Haushund
Canis aureus = Goldschakal
Canis latrans = Kojote

Innerhalb der Art lassen sich Unterarten und Rassen abgrenzen.

Atavismus (lat. atavus, Urahn): Rückschlag, d.h. bei einzelnen Individuen innerhalb einer Art treten Abweichungen auf, die Merkmalsprägungen und Eigenschaften erkennen lassen, welche bei den unmittelbaren Ahnen fehlen, z.B. Afterkrallen. Es können Typen oder Merkmale entstehen, die einem Rückschlag auf ihre Wildform nahe kommen. Weiterhin wird noch zwischen Hybridatavismus und Mutationsatavismus unterschieden.

Ätiologie: Die Kenntnis von den Ursachen der Krankheiten, wie Infektionen durch bestimmte Erreger, Nahrungs- und Wirkstoffmangel, Erbkrankheiten, Verletzungen, Haltungsschäden.

Atrophie: Angeborener oder erworbener Zell- bzw. Organschwund infolge Substanzverlust bei Ernährungsstörungen, mangelnden Gebrauches von Organen oder Muskeln nach Verletzungen, neurogener Schäden und anderes.

Audiometrien: Untersuchungen des Gehörganges als Voraussetzungen für selektive Zuchtmaßnahmen zur Eindämmung von Krankheiten der Gehörorgane bei disponierten Rassen.

Aujeszkysche-Krankheit (Pseudowut): Eine Infektion mit dem Herpesvirus suis durch Verfütterung rohen Schweinefleisches infizierter Tiere. Im Unterschied zum Menschen, dem Pferd und anderen Einhufern, die für diese Krankheit nicht empfänglich sind, ist der Hund bei immer tödlichem Verlauf dieser Krankheit äußerst gefährdet.

Auszucht (früher als »Blutauffrischung« bezeichnet, englisch Outcrossing genannt): Erweiterung des Genpools einer diesbezüglich eingeengten Rassehundepopulation.

Die Paarungspartner sollen dabei mindestens fünf bis sechs Generationen weit keine gemeinsamen Ahnen aufweisen. Durch zuchtlenkende Maßnahmen herbeigeführte enge Rüden/Hündinnen Verpaarungs-Verhältnisse dienen ebenfalls der Erweiterung des Genpools und gewährleisten somit eine Auszucht in der Population. Ist der Genpool einer Rasse schon so weit eingeengt, dass rasseinterne Auszuchtmethoden keine Erfolge mehr erwarten lassen, dann verbleibt nur noch die Einkreuzung anderer Rassen als die höchste Form der Auszucht.

Autosomen: Alle Chromosomen mit Ausnahme der Geschlechtschromosomen (Heterosomen). In den Körperzellen befinden sich die Chromosomen immer paarweise, und zwar so, dass zwei entsprechende (homologe) Chromosomen ein Paar bilden. Von den 39 Chromosomenpaaren des Hundes sind 38 Autosomen und ein Paar Heterochromosomen.

autosomal: Auf Allele bezogen bedeutet autosomal, dass sich das betreffende Allel nicht auf einem der beiden Geschlechtschromosomen X oder Y befindet.

Azidose: Infolge Störung des Elektrolytgleichgewichtes (Verhältnis von Kalium (K+) + Natrium (Na+) zu Chlor (Cl-) ) als krankhafte Steigerung des Säuregehaltes im Blut.

Ursache ist ein Überschuss von Chloranionen, oft hervorgerufen durch Überanstrengung (Laktatazidose) und hat schwerwiegende Folgen für den Stoffwechsel der Knochen.

Basensequenz: Die Anordnung der heterozyklischen organischen Basen Adenin, Guanin, Cytosin, Thymin im DNA-Strang.

Diese Sequenz ergibt unendlich viele Möglichkeiten und stellt schließlich die Voraussetzung für das Vorhandensein vieler tausender Erbinformationen beim Säugetier.

Die Anordnungsmöglichkeiten der Basen sind für jedes Lebewesen (eineiige Zwillinge ausgenommen) unterschiedlich typisch und in jeder Zelle gleich.